„Post-nasal-drip“-Syndrom

Wo kommt nur der ganze Schleim her?

Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt!

Stirnspiegel für die HNO-Untersuchung und Behandlung

Stirnspiegel für die HNO-Untersuchung und Behandlung

Die nahe liegende Antwort lautet: Der Schleim wird im Körper gebildet. Um genau zu sein, in den Schleimdrüsenzellen der Schleimhaut („Becherzellen“). Jede Schleimhaut bildet Schleim. Schleim ist ein Schutzfilm. Schleim ist ein Transportmedium für Fremdpartikel: Inhalierte Fremdpartikel (Stäube, Rauch etc.) werden vom Schleim festgehalten und nach oben transportiert.

Ich denke aber, dass diese Antwort unbefriedigend bleibt. Zwar lautet die Frage, wo der Schleim herkomme, aber meistens steckt eine zweite Frage dahinter: „Warum muss ich jetzt im Alter so viel Schleim abhusten und schlucken, wo ich das doch früher nicht musste?“ Wo der Schleim nun wirklich herkommt, will man eigentlich nicht so genau wissen…

Und hier „liegt der Hase im Pfeffer“: Es handelt sich gar nicht um ein Problem der Schleimproduktion! Es ist ein Problem des Schleimabtransportes. Auf der Schleimhaut befinden sich winzige Flimmerhärchen („Zilien„), die die winzigen Schleimtröpfchen ständig nach oben in Richtung Kehlkopf flimmern. Dieser Schleimfilm ist dünn und er fließt ständig „bergauf“. Am Kehlkopf angekommen, werden die winzigen Schleimtröpfchen mit dem Speichel verschluckt. Von diesen Vorgängen merkt man als gesunder Mensch überhaupt nichts. Die Schleimhaut tut ihre Pflicht.

Wenn man älter wird, dann gehen die Flimmerhärchen langsam zugrunde. Die Anzahl der Flimmerhärchen nimmt ab. Damit nimmt auch die Transportkapazität (die „mukociliare Clearence“) der Schleimhaut ab. Die winzigen Schleimtröpfchen, die die Drüsenzellen verlassen, können nicht abtransportiert werden und bleiben an Ort und Stelle einfach liegen. Und dann kommen andere Tröpfchen hinzu. Die Schleimtröpfchen werden immer größer. Irgendwann sind die Tröpfchen so groß, dass sie einfach an der Schleimhaut nach unten rutschen und drohen, in die Lunge zu gelangen. Man kennt das ja, wenn im Winter die Fensterscheiben von innen beschlagen: Erst bilden sich winzige Tröpfchen und irgendwann werden die Tröpfchen größer und rutschen nach unten. Die herunterrutschenden Tröpfchen verursachen einen Hustenreiz. Mit dem Hustenstoß werden die Tröpfchen dann nach oben geschleudert und können den Körper verlassen – entweder werden sie ausgehustet oder sie werden verschluckt.

Nasenspekula für Untersuchungen und Behandlungen im Naseninneren

Nasenspekula für Untersuchungen und Behandlungen im Naseninneren

Und Schleim, der in der Nase und im Nasenrachen gebildet wird, rutscht ohne den Flimmerschlag im Rachen herunter. Er tropft gewissermaßen aus dem hinter der Nase liegenden Nasenrachenraum nach unten: „Post-nasal-drip“-Syndrom (das Wort „post“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet im räumlichen Kontext „hinten liegend“ und im zeitlichen Kontext „später“).

Allein die Vorstellung, größere Mengen an Schleim aushusten oder schlucken zu müssen, ist schon eklig! Allerdings ist das nur „Kopfkino“. Das Aushusten von Schleim ist nämlich auch ein Transportmechanismus. Es handelt sich um ein Ersatzverfahren, wenn das originale Verfahren – Schleimtransport über die Flimmerhärchen – nicht mehr funktioniert. Das Ersatzverfahren (Husten, Schlucken) schützt die Lunge genauso vor Verschleimung wie der Flimmerschlag der Flimmerhärchen. Husten ist nicht die Krankheit! In diesem Fall ist Husten die Waffe des Körpers gegen die Krankheit!

Zur Therapie sind in diesem Falle hustenstillende oder gar hustenblockierende Medikamente ungeeignet. Besser sind schleimlösende Medikamente. Allerdings wirken diese Medikamente nur symptomatisch. Sie lindern die Beschwerden, aber sie können nicht heilen. Es gibt nämlich keine Medikamente, die abgestorbene Flimmerhärchen wieder lebendig machen können. Leider bedeutet das auch, dass das Problem mit zunehmenden Alter nur größer, aber nie kleiner wird!

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich mit diesem Artikel nur etwas Verständnis wecken möchte für normale physiologische Vorgänge im Körper, die zu Husten, Schluckzwang und Ekelgefühlen führen können.

Copyright: Fotolia SmokovskiHusten und Atemnot haben oftmals auch schwerer wiegende Ursachen, die man nicht „auf die leichte Schulter“ nehmen sollte! Dazu gehören schwere Krankheiten wie „Mucoviscidose“ (eine genetisch bedingte erhöhte Zähigkeit des Schleims), „Keuchhusten„, „Asthma bronchiale„, chronische Verengungen der Atemwege („COPD„), aber auch bösartige Erkrankungen des Kehlkopfes und des Bronchialsystem. Auch bestimmte Herzerkrankungen können Hustenreiz auslösen („Asthma cardiale„) sowie ein Aufsteigen von Magensäure, wenn der Mageneingang nicht mehr richtig schließt („Reflux„). Die Liste der zum Teil ernsten Krankheiten ist nicht vollständig!

Jeden Husten, der nicht nach „angemessener Zeit“ (ich mache an dieser Stelle absichtlich keine genaue Zeitangabe) verschwindet, muss vom Arzt abgeklärt werden! Und wenn man dann „nur“ ein „Post-nasal-drip“-Syndrom hat, dann darf man zufrieden sein, dass man keine bedrohliche Erkrankung hat!

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