Homöopathie-Kritiker gründen Netzwerk

Foto: PrivatVom 29. Januar bis 31. Januar haben sich 30 Homöopathie-Kritiker in Freiburg getroffen und ein Netzwerk gegründet. Zum „Informations-Netzwerk Homöopathie“ (so der offizielle Name) gehören inzwischen mehr als 50 Ärzte, Wissenschaftler, Biologen, Ingenieure und überhaupt Fachleute vieler Fachrichtungen. Da auch ich Mitglied in diesem Netzwerk bin, darf ich sagen: Wir sehen mit Sorge, dass die Homöopathie – 200 Jahre ohne Weiterentwicklung seit ihrer Erfindung durch Samuel Hahnemann – zunehmend Patienten in ihren Bann zieht und im schlimmsten Fall von einer rechtzeitigen und nachgewiesenermaßen wirksamen Therapie abhält. Es gibt auch noch viele andere Kritikpunkte an der Homöopathie – neben einer teuren und wirkungslosen Therapie wird beispielsweise bei Kindern die Hemmschwelle zum Pillenschlucken gesenkt und es werden oftmals Empfehlungen zum Impf-Verzicht ausgesprochen -, die in ihrer Gesamtheit an dieser Stelle nicht besprochen werden können.

Die Homöopathie wird von vielen als Alternative oder ergänzende komplementäre Therapie zur Medizin gewünscht – dabei wissen die meisten Anwender über die Homöopathie gar nicht Bescheid. Homöopathie wird mit Pflanzenheilkunde verwechselt, sie gilt als sanft und preiswert. Nichts davon ist wahr! Natürlich werden auch Pflanzen in der Homöopathie verwendet, aber auch unappetitliche Sachen wie Gifte (Arsen, Quecksilber, Polonium), biologische Substanzgemische (Hundescheiße, Pferdepisse, Eiter aus Eiterbeulen, zerdrückte Insekten) bis hin zu „verdünntem Vakuum“. Das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie ist weitgehend unbekannt, dabei ist es eine der Säulen, auf denen die Homöopathie beruht (Ähnlichkeiten sind willkürlich und werden von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bewertet: hat ein großer Wagen Ähnlichkeit mit dem Sternbild „Großer Wagen“?). Die Ursubstanzen werden bis zum Verschwinden der Anteile verdünnt, was aber „potenzieren“ genannt wird, bloß weil man es nach einem 200 Jahre alten Ritual schüttelt: Es soll eine „geistartige Kraft“ im Wasser gespeichert werden – so sagt Samuel Hahnemann. Heute glauben auch Homöopathen nicht mehr an die „geistartige Kraft“ – aber alle alternativen Erklärungen wie „Informationen“, „Clusterbildung in Wasser“, „Biophotonen“ oder „Quanten“ sind ebenfalls nicht in der Lage, eine Wirkung der Kügelchen zu erklären. Die Begriffe mögen modern klingen – Wissenschaftler überzeugen können sie nicht; sie sind schlicht nicht definiert und widersprechen jedem Wissen von der Welt, das wir haben.

Wir Mediziner erkennen neidlos an, dass sich Homöopathen viel Zeit für Patienten nehmen und mit Empathie die Patienten begleiten. Leider werden die Patienten anschließend nicht korrekt behandelt, sondern mit wirkungslosen Zuckerkügelchen abgespeist. Zeit und Aufmerksamkeit haben Patienten verdient, Zuckerkügelchen nicht. Die berechtigte Kritik an der Unvollkommenheit der Medizin, so wie sie sich heute darstellt, macht jedoch die Homöopathie nicht wirksam. Daran ändern auch positive Erlebnisse mit der Homöopathie nichts. Niemand, der ein Homöopathikum eingenommen hat, hat nämlich die Chance zu erleben, wie sich seine Krankheit ohne die Homöopathie entwickelt hätte.

Die Physikerin Ute Parsch beschreibt in einer ihrer vielen Antworten an einen Kommentator folgende 4 einfache Fälle:
1. Ich nehme ein Homöopathikum und es geht mir besser.
2. Ich nehme ein Homöopathikum und es geht mir nicht besser.
3. Ich nehme kein Homöopathikum und es geht mir besser.
4. Ich nehme kein Homöopathikum und es geht mir nicht besser.

Wenn ich ein Homöopathikum genommen habe und es geht mir besser, dann gehöre ich zur Gruppe 1. Aber wenn die Verhältnisse in Gruppe 1 und 2 genauso sind wie die Verhältnisse in Gruppe 3 und 4, dann hat das Homöopathikum eben nicht geholfen und der Verordner ist kein Heiler, sondern ein Zuschauer, der sich unberechtigt eine Heilung zuschreibt. Einzelerfahrungen sind irreführend, weil jeder Einzelne nur in einer einzigen Gruppe sein kann. Nur Studien zur Wirksamkeit sind in der Lage, alle 4 Gruppen gleichzeitig im Blick zu haben. Gut gemachte Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie zeigen genau das: Die „Heilungen“ nach Einnahme von Homöopathika sind nicht größer als die „Heilungen“ nach Einnahme von Placebos. Wer heilt, hat Recht – aber Homöopathika heilen eben nicht. Sie sind neutral und austauschbar: durch andere Kügelchen, durch Lebensmittel oder durch sonstige Rituale.

Aber jetzt gibt es endlich das „Informations-Netzwerk Homöopathie“, das sich „auf die Fahnen geschrieben hat“, umfassend über Homöopathie zu informieren. Und weil es neben positiven Erfahrungen – die überall von Homöopathen und ihren Anhängern kommuniziert werden – auch negative Erfahrungen mit der Homöopathie gibt, die aber weitgehend unbekannt sind, ist es ein Anliegen des Netzwerkes, Fälle zu sammeln und zu veröffentlichen, in denen die Homöopathie nicht nur nicht geholfen, sondern sogar geschadet hat.

Copyright: Fotolia - Götte Photo ArtWer also Negativbeispiele zur Homöopathie kennt, möge mir bitte schreiben. Die Fälle werden anonymisiert und veröffentlicht, wobei die Quelle dem Netzwerk bekannt sein muss, aber nicht genannt wird. Bitte keine „erfundenen Geschichten“ beisteuern! Das Netzwerk ist seriös und wird nur überprüfbare Fälle veröffentlichen.

Sobald es wichtige Neuigkeiten gibt, wie z. B. informative Internetseiten, werde ich darüber berichten und Links einstellen.

Das in Freiburg gegründete „Informations-Netzwerk Homöopathie“ hat als wichtiges Dokument die Freiburger Erklärung erstellt. Die Erklärung kann auch online mit unterzeichnet werden.

Wenn Sie uns Ihre persönliche Misserfolgs-Erlebnisse mit der Homöopathie mitteilen wollen, können Sie uns direkt über das Kontaktformular erreichen. Ihre persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht. – Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag ist jedoch inzwischen geschlossen.

Zur weiteren Information siehe nachfolgende Links:
Artikel in der „Badischen Zeitung“
Artikel in der „FAZ“
Artikel in der „Welt“

Bei Interesse an der Homöopathie siehe auch:
Blog zu „In Sachen Homöopathie – Eine Beweisaufnahme“
Blog zu „Homöopathie neu gedacht“
GWUP – Blog Homöopathie
„Homöopathie in Kürze“
„Homöopathie ist Irrtum“
„Marburger Erklärung“

Bücher zur Homöopathie gibt es auch:
„In Sachen Homöopathie – Eine Beweisaufnahme“ von Norbert Aust
„Homöopathie neu gedacht“ von Natalie Grams
„Die Homöopathie-Lüge“ von Christian Weymeyer und Nicole Heißmann
„Der Pillendreh“ von Edmund Berndt

Posted in:

Kommentare

  1. Ich gratuliere ganz herzlich zur Gründung des längst notwendigen Netzwerkes.
    Sehr gerne möchte ich Sie dabei unterstützen und bitte Sie darum, mir mitzuteilen, wie ich Mitglied und Unterstützer werden kann.

    Herzliche Grüße

  2. Ich kann das nur begrüßen!

    Ich kann immer nur den Kopf schütteln, wenn ich höre, dass Kinder aus der Klasse meiner Kinder wochenlang krank sind, weil die ersten Tage mit Zuckerkügelchen herumexperimentiert wird und dann letztendlich mit voll entwickeltem Krankheitsbild der Facharzt um Rat gefragt wird.

  3. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich bin Ärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Diplom-Homöopathie. Ich habe in einem Akademischen Lehrkrankenhaus über 5 Jahre die Aufnahmestation geleitet und drei Jahr auf der Intensivstation gearbeitet einschließlich Notarztwageneinsätzen über 8 Jahre. Die Schulmedizin ist mir gut bekannt. Ich habe eine dreijährige Zusatzausbildung Homöopathie absolviert und behandle seit 11 Jahren in eigener Praxis ausschließlich mit Homöopathie. Aufgrund meines Berufsweges empfehle ich Ihnen, sich seriös mit der Homöopathie zu beschäftigen, ihre Behandlungsprinzipien zu ergründen, sich ein konkretes Bild der Globuliherstellung zu machen und erst dann zu urteilen. Wenn Sie dann einem erfahrenen Homöopathen über die Schulter sehen, können Sie Gesundungsverläufe sehen, die Sie Sich für Ihre Arbeit in Ihrer Praxis immer gewünscht haben. Gehen Sie die Auseinandersetzung mit der Homöopathie wissenschaftlich an, vermeiden Sie die Verbreitung von ungeprüften Klischees. Wir sind Ärzte! Wir sind Naturwissenschaftler! Von Herrn Dr. med. Vahle wünsche ich mir die Toleranz, diesen Leserbrief zu veröffentlichen. Danke!

    • Sehr geehrte Frau Dr. D.,
      Sie appellieren an meine Toleranz, Ihren Kommentar zu veröffentlichen. Ich habe lange gezögert, das zu tun, denn ich muss ihn ja auch beantworten. Gerne hätte ich Ihnen die Veröffentlichung meiner Antwort erspart, aber Sie wollten es so.

      Sie schreiben, Sie seien Ärztin für Innere Medizin und Homöopathin mit 3jähriger Zusatzausbildung. Das heißt: Sie machen eine 6jährige Ausbildung zur Fachärztin, um dann in den nachfolgenden 3 Jahren alles zu vergessen, was Sie bisher in Ihrem Studium und in Ihrer Weiterbildungszeit gelernt haben? Ich habe kein Verständnis dafür. Wenn Sie als Internistin arbeiten, dann betreiben Sie „Medizin“ (wir vermeiden den herabsetzenden Begriff „Schulmedizin“). Wenn Sie als Homöopathin arbeiten, dann betreiben Sie – leider muss ich es sagen – „Pseudomedizin“.

      Sie empfehlen mir, mich seriös mit Homöopathie zu befassen. Woher wollen Sie wissen, dass ich das bisher nicht getan habe? Weil ich zu anderen Ergebnissen komme? Das ist zu billig.

      Ich habe Fragen an die Homöopathie, die mir bislang noch nie jemand beantworten konnte. Aus Zeit- und Platzmangel kann ich leider nur wenige und wichtige Punkte ansprechen.

      Zunächst entnehme ich Ihrem Kommentar, dass Sie das Erleben von Heilungsverläufen als eine Art „Erweckungserlebnis“ für wichtig halten. Sehe ich das richtig, dass Sie also Einzelfälle anbieten, um Statistiken zu widerlegen? Gerade Sie als Internistin mit einer „richtigen“ medizinischen Ausbildung sollten doch wissen, warum die Medizin sich nicht auf Einzelfallbeschreibungen stützt, sondern auf saubere Statistiken – randomisiert, placebokontrolliert und doppelt verblindet. Warum wohl? Weil wir alle – auch Sie, liebe Kollegin – unsere Subjektivität nicht ausblenden können. Wie wollen Sie als Einzelperson sicherstellen, dass Sie sich nicht irren:

      1. hinsichtlich des Spontanverlaufes einer Erkrankung,
      2. hinsichtlich des Placeboeffektes,
      3. hinsichtlich der Irrtums, jede zeitliche Korrelation als Kausalität falsch zu interpretieren,
      4. hinsichtlich des Irrtums der selektiven Wahrnehmung – alles, was Ihnen gefällt behalten Sie im Gedächtnis, alles, was Ihnen nicht gefällt, vergessen Sie,
      5. hinsichtlich der Verwechslung von „gefühlter Besserung“ zu „objektiver Besserung“.

      Nur Studien können zeigen, wie wirksam oder unwirksam Homöopathie ist. Und ja: Auch, wenn Homöopathie (die klassische Homöopathie nach Hahnemann) eine individuelle Arzneiauswahl fordert, so kann man doch die Wirksamkeit der Homöopathie in Studien überprüfen. Es geht dann nicht um Einzelsubstanzen, sondern um das Wirkprinzip als solches – und das ist durchaus überprüfbar.

      Die Studien in ihrer Gesamtheit haben bisher die Wirksamkeit der Homöopathie nicht belegen können. Das heißt: Homöopathika sind nicht wirksamer als Placebos. Die große Analyse des australischen NHMRC betrachtet nicht weniger als 225 Studien zum Thema Homöopathie – das ist weit mehr als bei vielen anderen medizinischen Gebieten zur Verfügung steht. Das Ergebnis ist in Übereinstimmung mit der naturwissenschaftlichen Erwartung negativ: Keine Wirksamkeit über Placeboniveau hinaus. Frau Prof. Claudia Witt – Inhaberin eines Lehrstuhls der Carstens-Stiftung für Komplementärmedizin und sicher keine Gegnerin der Homöopathie – sieht das übrigens genauso: Keine Wirksamkeit über Placeboniveau hinaus. Sie raten mir, ich solle ungeprüfte Klischees vermeiden? Die Homöopathie ist es doch, die seit 200 Jahren das Klischee verbreitet, sie sei wirksam. Dabei ist die behauptete Wirksamkeit keineswegs ungeprüft – sie ist geprüft nicht vorhanden!

      Aber jetzt erklären Sie mir mal: Wenn Hahnemann eine individuelle homöopathische Arzneitherapie fordert auf der Grundlage eines Arzneibildes und der Ähnlichkeitsregel – wieso funktioniert dann auch Komplexhomöopathie, Impulshomöopathie oder andere Ab- und Unterarten? Wieso gibt man Arnika „gegen“ Verletzungen? Das ist doch das Wirkprinzip der sog. „Allopathie“? Nun – meine Frage war rhetorisch: klassische Homöopathie und alle Ab- und Unterarten wirken alle – auf Placeboniveau. Und damit ist klar, dass die Erklärung des Wirkprinzips falsch sein muss, denn hier gibt es viele Wirkprinzipien, die sich gegenseitig ausschließen, aber dennoch von Homöopathen als „erfolgreich“ bezeichnet werden. Das Verbot der Komplexhomöopathie ist übrigens von Hahnemann höchstpersönlich!

      Und wenn Sie als Homöopathin für eine korrekte Arzneiauswahl eine lang dauernde homöopathische Erstanamnese benötigen – wieso lassen Sie es zu, dass Mütter ihren Kindern mit dem Wissen aus Laienbüchern Kügelchen verabreichen? Die Empfehlungen dieser Bücher widersprechen sich doch auch untereinander. Und sie widersprechen Hahnemanns Lehre!

      Sie empfehlen mir, bei der Herstellung der Globuli zuzusehen. Was soll ich denn da sehen? Wie man nach einem Verdünnungsschritt die neue Verdünnung auf Leder schlägt? Wieso benutzt man kein elektrisches Rührgerät? Weil Hahnemann auch keines hatte! Es ist ein 200 Jahre altes Ritual – ohne Realitätsbezug. Aber gerade bei der Herstellung der Hochpotenzen habe ich eine Frage an Sie: Wie stellen Homöopathen Globuli vom Typ „Arsenum D30“ her (gern auch noch höhere Potenzen)? Immerhin ist Arsen erlaubterweise als Verunreinigung im Trinkwasser vorhanden, wenn bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. Arsenfreies Wasser lässt sich nicht herstellen. Die erlaubte Grenze für Arsen liegt etwa bei D8 (gehen wir sicherheitshalber mal von D9 aus). Das heißt, höhere Verdünnungen als D9 können Sie nicht bekommen, weil in dem Verdünnungswasser Arsen als Verunreinigung in der Dosierung D9 vorkommt. Sie können auch nicht durch das – lächerliche – Ritual des Potenzierens höhere Potenzen bekommen, denn dann müssten Sie erklären, wie Sie das Arsen aus der Urtinktur und das Arsen aus der Verunreinigung voneinander unterscheiden und getrennt potenzieren wollen. – Auch diese Frage ist natürlich rhetorisch. Sie müssen sich keine Erklärungsschwurbeleien aus den Rippen quälen: Der Widerspruch ist eklatant und unauflöslich. Das gleiche gilt auch für andere Substanzen. Bei jeder Potenzierungsstufe potenzieren Sie die Verunreinigungen mit. Und wie schafft es jetzt die Potenz der Urtinktur sich gegen die Potenz der Verunreinigung durchzusetzen? Und wie schaffen es die erwünschten Wirkungen der Urtinktur sich gegen die unerwünschten Nebenwirkungen durchzusetzen? Die Substanzen wissen doch nicht, was Menschen wünschen! – Homöopathen stecken in einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt!

      Gehen wir einen Schritt weiter: Hahnemann wusste es nicht, wir aber schon: Jenseits einer Potenz von D23 ist in den Homöopathika kein Wirkstoff mehr enthalten. Das wissen moderne Homöopathen und geben es auch zu – deshalb möchte ich auf diesem Punkt nicht herumreiten. Homöopathen glauben, dass beim Potenzieren eine „geistartige Kraft“ in die Lösung übergeht – losgelöst von der Materie. Alle Erklärungsversuche der letzten 200 Jahre sind gescheitert. Und: alle zukünftigen werden auch scheitern, denn „geistartige Kräfte“ gibt es nicht und sie könnten zudem auch nicht im Wasser gespeichert werden. Wasser ist kein Speichermedium. Wenn es eines wäre: Warum hat die Evolution dann die komplizierten DNA-Moleküle zur Speicherung genetischer Eigenschaften hervorgebracht, wenn Wasser gereicht hätte?

      Die Sache ist ganz einfach:
      1. Jeder bisherige Erklärungsversuch ist bislang daran gescheitert, dass er im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht. Es hilft auch nichts, auf die Zukunft zu verweisen, denn was heute bereits widerlegt ist, kann morgen nicht möglich werden. – Und auf die Diskussion, ob denn unsere Naturgesetze korrekt seien, möchte ich hier nicht eingehen: Ich sehe keine Möglichkeit, dass sich unsere gesamtes Wissen von der Natur irgendwann plötzlich als vollkommen falsch und fehlinterpretiert herausstellen wird – die Wahrscheinlichkeit, dass das passieren wird, ist – zwar nicht theoretisch, aber praktisch – null. Wir nutzen Radio, Fernsehen, Computer, Autos, Flugzeuge, Navigationsgeräte jeden Tag: alles irrtümlich?

      2. Die Gesamtheit aller Studien hat bisher keine Wirksamkeit von Homöopathie nachweisen können. Dass einzelne Studien fraglich positive Ergebnisse hatten, ist durchaus möglich, denn der erlaubte Statistikfehler beträgt 5 %. Von 100 Studien können bis zu 5 Studien – trotz guter Qualität – zu einem positiven Ergebnis für die Homöopathie kommen. Eine Wirksamkeit wird durch diesen Statistikfehler nicht hergestellt.

      3. Die scheinbare Wirkung der Homöopathie ist ebenfalls gut erklärbar: Es sind die Spontanheilungen bei Bagatellerkrankungen. Es ist die „Regression zur Mitte“ bei chronischen Verläufen. Es ist der Placeboeffekt – und ja: der Placeboeffekt ist auch bei Neugeborenen und bei Tieren nachgewiesen. Es ist das „therapeutische Setting“, das gute Gespräch zwischen einem empathischen Homöopathen und seinem Patienten. Es ist die typische Umdefinierung von Erfolg:

      Besseres Gefühl = Erfolg.
      Gleichbleibendes Gefühl = nachhaltige Gesundung = Erfolg.
      Schlechteres Gefühl = Erstverschlimmerung = Erfolg.

      Sehr geehrte Frau Dr. D.,
      Gerade Ärztinnen und Ärzte wie Sie, sind ein großes Ärgernis. Sie setzen Ihre Reputation ein und den Anschein der Seriosität und bewerben im 21. Jahrhundert Therapieformen, die sich 200 Jahre nicht weiterentwickeln konnten und die den Naturgesetzen sowie dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Ich unterstelle Ihnen zu Ihren Gunsten, dass Sie lediglich einer Selbsttäuschung unterliegen – alles andere wäre nämlich offener Betrug am Patienten.

      Sehr geehrte Frau Dr. D.,
      Wie schaffen Sie es, die „Schere in Ihrem Kopf“ zu schließen? Sie haben als Internistin in Fächern wie Pathologie und Pathophysiologie etwas über Krankheitsursachen (Ätiologie und Pathogenese) erfahren. Und als Homöopathin müssen Sie Ihren Patienten etwas von „Miasmen“, „Nosoden“ oder „Lebensenergie“ vorschwurbeln? Und dabei werden Sie nicht rot?

      Sehen Sie: Aus diesem Grunde wurde das „Informations-Netzwerk Homöopathie“ ins Leben gerufen. Wir wollen die Patienten frei von Homöopathie-Werbung darüber informieren, was Homöopathie ist, wie aberwitzig das homöopathische Weltbild ist und welche gesundheitlichen Risiken Patienten eingehen, wenn sie sich auf die Homöopathie verlassen.

      In unserem Netzwerk sind nicht nur Ärzte, die – im Gegensatz zu Ihnen – zu dem Schluss kommen, dass an der Homöopathie nicht die Substanz wirkt, sondern das therapeutische Schauspiel. Wir haben auch Physiker und Apotheker, die genau erklären können, dass und warum in den Homöopathika keine Wirkung mehr enthalten ist – weder materiell noch immateriell. Wir haben Physiker und Ingenieure, die sich mit Mathematik und Statistik auskennen und ziemlich schnell Studien beurteilen können. Sie finden die Fehler im Studiendesign und in der Ergebnisberechnung. Wir haben Biologen, Psychologen und Wahrnehmungsphysiologen, die erklären können, warum bei Patienten ein Heilungs-„Gefühl“ aufkommt und bei Therapeuten ein Wirksamkeits-„Gefühl“. Wir haben Informatiker und Publizisten, die die werbefreie Information öffentlich zugänglich machen werden. Und wir haben auch Rechtsanwälte, die im Konsumentenschutz tätig sind.

      Wir wollen die Homöopathie nicht verbieten. Wir sind in einem freien Land. Wer Homöopathie möchte, soll sie bekommen, aber er soll wissend sein. – Und das „therapeutische Setting“ schauen wir uns gerne bei den Homöopathen ab. Ich kann der Medizin nur empfehlen, im Patientengespräch ebenso empathisch zu sein wie Homöopathen. Das ist der Pluspunkt, den ich der Homöopathie ohne Neid zugestehe.

      Aber wir wollen die Homöopathie entzaubern; dazu gehört, dass Homöopathika ihre Wirksamkeit wie alle anderen Medikamente beweisen müssen und es nicht ausreicht, wenn Homöopathen sich untereinander die Wirksamkeit bestätigen. Wir wollen die „Adelung“ der Kügelchen durch die Apothekenpflicht beenden. Homöopathika sind ungiftig und sollten nicht in der Apotheke abgegeben werden müssen. Wenn Mütter auch ohne ärztliche Hilfe Globuli einsetzen, dann dürfen sie diese auch im Süßigkeitenregal im Kaufhaus finden. Und wir möchten die „Adelung“ durch lateinische Namen beenden. Homöopathika sind keine Heilplanzen! Es gibt auch unappetitliche Urtinkuren mit Hundekot und Pferdeurin – neben giftigen Sachen wir Arsen, Quecksilber, Polonium. Ach ja: „verdünntes Vakuum“ gibt es auch.

      Merken Sie jetzt, Frau Dr. D., auf welches Pferd Sie gesetzt haben? Ich empfehle Ihnen, sich mal seriös mit der Homöopathie auseinanderzusetzen. Gehen Sie die Auseinandersetzung mit der Homöopathie doch mal wissenschaftlich an, so wie wir es tun. Wir sind doch Ärzte! Wir bauen unsere Medizin doch auf Naturwissenschaft auf. Behandlungen müssen rational begründbar sein und sich bewähren. Zufallserfolge können schön sein, aber sie bleiben häufiger aus als sie eintreten. Und was ist, wenn beim Ausbleiben eines Zufallserfolgs die Gesundheit auf der Strecke bleibt?

      An dieser Stelle werde ich die Diskussion beenden. Mein Blogbeitrag war nicht als Diskussionsplattform gedacht. Alle bisher eingegangen Negativ-Kommentare – auch zu anderen Blogbeiträgen zum Thema „Homöopathie“ und „Pseudomedizin“ – beinhalten – neben persönlichen Angriffen, für die ich immer sehr dankbar bin: zeigen sie doch, dass der Kommentator sich schmerzlich bewusst ist, argumentfrei zu sein – Gesichtspunkte, die schon viele Male in allen möglichen Diskussionsplattformen vorgebracht und jedes Mal widerlegt wurden. Alle Argumente der Homöopathen sind uns bereits gesagt worden – nur noch nicht von jedem.

      Deshalb schließe ich an dieser Stelle die Diskussion.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *