Wie soll man die Ohren reinigen?

Auf keinen Fall mit Wattestäbchen! Und die „Wattestäbchen“ heißen schon mal gar nicht „Ohrenstäbchen“, eben genau deswegen: weil sie nicht in die Ohren gehören!

Schlingen, Ösen und Häkchen in diversen Größen für die Gehörgangsreinigung

Die Gehörgänge verfügen über einen Selbstreinigungsmechanismus. In der Tiefe des Gehörganges wird Talg produziert (in den sog. „Ceruminaldrüsen“, deshalb nennt man diese Substanz auch „Cerumen“: es ist Ohrenschmalz). Dieses zähflüssige Fett rutscht langsam – im Laufe mehrerer Wochen – nach außen. Schmutzpartikel, Stäube, aber auch abgeschilferte Epithelzellen (das sind die Zellen der Deckschicht der Haut) werden festgeklebt und rutschen mit nach außen. Auf der bereits vorhandenen dünnen Cerumenschicht im Gehörgang „fließt“ das Cerumen leicht – der Gehörgang ist ja gefettet. Zugleich fettet das fließende Cerumen den Gehörgang neu, so dass das nachfolgende Cerumen wiederum leicht nach außen fließen kann. Wenn man diesen Mechanismus nicht stört, bleibt die Cerumenschicht im Gehörgang stets sehr dünn und der Gehörgang stets sauber. Diese dünne Cerumenschicht liegt als Schutzfilm über der empfindlichen Gehörgangshaut und sorgt dafür, dass keine Krankheitserreger eindringen können (Cerumen hat sogar eine schwache antibiotische Wirkung!). Das Cerumen, das seine „Reise“ aus der Tiefe des Gehörganges hinter sich hat, wird als Überschuss im Gehörgangs-Eingang sichtbar. Nur von dort soll man es entfernen. Also: Jeden Tag wird in der Tiefe des Gehörgangs eine Tagesration Cerumen produziert. Und jeden Tag kommt eine Tagesration Cerumen außen im Gehörgang an. Wie groß die Tagesration ist, kann man nicht sagen: Sie ist bei jedem Menschen anders. Und wie lange das Cerumen im Gehörgang unterwegs ist, kann man auch nicht sagen: Die Zeit ist bei jedem Menschen anders.

Eine „Gehörgangsreinigung“ mit Wattestäbchen stört den Selbstreinigungsmechanismus. Die äußeren Anteile des Gehörganges werden durch die Wattestäbchen fettfrei geputzt. Dabei wird die Gehörgangshaut auch aufgeraut. Das in der Tiefe befindliche Cerumen fließt auf dem Fettfilm zunächst ungehindert nach außen – bis es auf die fettfreie und aufgeraute („Schmirgelpapier“) Außenzone des Gehörganges kommt. Dort kann es nicht mehr so einfach weiterfließen und gerät ins Stocken. Von innen drückt neues Cerumen nach, das auch nicht weiterfließen kann. So entstehen Cerumenpfröpfe, die immer größer werden, bis sie den ganzen Gehörgang verstopfen. Sobald der Gehörgang verschlossen ist, ist das Ohr schwerhörig. Manchmal verschließt sich auch der Gehörgang auch schon eher, wenn die Cerumenpfröpfe allein noch nicht den Verschluss bewirken können: gelangt nämlich Wasser in das Ohr, dann quillt der Cerumenpfropf auf und verschließt den Gehörgang. Verdunstet das Wasser im Laufe des Tages, kann der Pfropf wieder etwas eintrocknen, dabei kleiner werden und einen Teil des Gehörganges wieder freigeben, was einen sofortigen Rückgewinn des Hörvermögens zur Folge hat. Die Patienten glauben dann, dass nur das Wasser den Gehörgang verstopft habe und sie fast einen ganzen Tag gebraucht haben, bis sie das Wasser wieder aus dem Ohr herausbekommen hätten. Tatsächlich kann sich ein einzelner Wassertropfen in einem nicht mit Cerumen angefüllten Ohr nicht lange halten.

Das Gefühl, wenn sich das Ohr plötzlich verstopft, ist äußerst unangenehm! Nimmt man dann bei einem neuen Reinigungsversuch wieder Wattestäbchen, dann drückt man diese Cerumenpfröpfe nach innen (wie bei einem alten „Vorderlader“), bis sie irgendwann auf dem Trommelfell liegen und dort Schmerzen verursachen! Heraus bekommt man die Pfröpfe mit Wattestäbchen nicht: es wird mit Wattestäbchen also nicht besser, sondern nur schlimmer.

Wattestäbchen haben noch einen weiteren unangenehmen Nebeneffekt: oben habe ich bereits darauf hingewiesen, dass der Cerumenfilm ein Schutzfilm für den Gehörgang darstellt. Die Wattestäbchen „fräsen“ diesen Schutzfilm geradezu heraus.

Wattestäbchen: Im Vergleich zu unseren Geräten simpel und grob!

Watteträger ist nicht gleich Watteträger! Unsere Watteträger sind präzise!

Dabei schmieren sie die Keime (Bakterien) in die Zwischenzellräume so wie man mit dem Messer die Butter ins Brot kratzt! Kein Wunder, dass die Gehörgänge sich dann entzünden und schmerzen. Übrigens: auch Juckreiz ist ein Schmerzreiz! Nur eben ein „unterschwelliger“! Auch der Juckreiz ist ein Zeichen der Gehörgangsentzündung. Nimmt man jetzt Wattestäbchen, um den Juckreiz zu stillen, dann legt man damit den Grundstock für den neuen Juckreiz! Mit Wattestäbchen erreicht man also zweierlei: man kratzt das Ohr (weil es juckt) und man „kitzelt“ das Ohr (so dass es weiter juckt)!

Wattestäbchen können auch leicht zu Verletzungen führen! Dabei sind die Hautablederungen im Gehörgang noch am harmlosesten! Leicht kann man auch das Trommelfell perforieren, was bleibende Schwerhörigkeiten zur Folge haben kann! Es ist sogar schon vorgekommen, dass Patienten sich zum Reinigen der Ohren so ungünstig in die Nähe einer Tür gestellt haben, dass – als jemand von außen schwungvoll die Tür öffnete – diese gegen den Ellbogen der Patienten flog. Mit gleichem Schwung schoss am anderen Ende des Arms das von der Hand festgehaltene Wattestäbchen in die Tiefe des Gehörganges, durchbohrte dabei das Trommelfell, zerfetzte die Gehörknöchelchenkette und drang durch den dünnen Knochen der mittleren Mittelohrwand bis in das Innenohr, wo es eine lebenslange Taubheit hinterließ! Glücklicherweise sind solche Katastrophen sehr selten. Aber man muss sie ja nicht heraufbeschwören! Hinterher heißt es dann: „das konnte ich ja nicht ahnen“!

Wie soll man also die Ohren reinigen?

Normalerweise reicht es absolut aus, hin und wieder – am besten täglich – die sichtbaren Cerumenüberschüsse im Gehörgangseingang mit dem Finger und einem Kosmetik- oder Papiertaschentuch zu entfernen. Sollte das Cerumen trocken und krümelig sein, ist es hilfreich, etwa 1 mal pro Woche ein Tröpfchen Babypflegeöl in den Gehörgang zu tropfen.

Erwachsene können (nur am eigenen Körper!) auch versuchen, beim Duschen vorsichtig die Ohren zu spülen. Das ist aber eine etwas heikle Empfehlung, weil man auch dabei Verletzungen produzieren kann! Man muss nämlich wissen, dass die beiden Trommelfelle am Ende der beiden Gehörgänge diese nicht „gerade“ verschließen (so wie ein Deckel auf einer runden Dose), sondern so in den Gehörgängen „stehen“ wie der Bug eines Schiffes. Wenn man mal seine eigenen Hände so zusammenlegt, dass sie einen Schiffsbug bilden, dann sieht man, dass zwischen Hand und (gedachtem) Gehörgang der Winkel hinten/oben groß und flach ist, während er vorn/unten klein und spitz ist. Der Wasserstrahl aus der Dusche (niemals stärker als „mittel“!) soll also nach hinten/oben gerichtet sein: vorn/unten könnte er eine Perforation „schießen“. Außerdem sind die Gehörgänge in sich geknickt; will man diesen Knick ausgleichen, dann muss auch die Ohrmuschel nach hinten/oben gezogen werden. Denkt man sich das Zifferblatt einer Uhr auf die Ohrmuschel gelegt, dann ist bei einem rechten Ohr „hinten/oben“ da, wo der kleine Uhrzeiger bei 10.30 Uhr steht und bei einem linken Ohr ist „hinten/oben“ da, wo der kleine Uhrzeiger bei 01.30 Uhr steht. Aber bitte Vorsicht beim Spülversuch – und im Zweifelsfall das Spülen lieber ganz lassen! Keinesfalls dürfen Eltern die Ohren ihrer Kinder unter der Dusche spülen!

Equipment für die professionelle Ohrspülung in der HNO-Praxis

Kleine Zängchen (nach „Hartmann“) für Behandlungen im Gehörgang

Sind die Ohren mal verstopft oder nässen sie sogar, dann bleibt nur der Gang zum Ohrenarzt. Unter der Sicht mit einem Operationsmikroskop ist es keine Schwierigkeit, locker sitzende Cerumenpfröpfe schmerzlos zu entfernen (wobei – je nach Befund – außer der Spülung auch mal Häkchen, Ösen, Zängchen oder Sauger zum Einsatz kommen). Sind die Cerumenpfröpfe aber erst mal in die Tiefe auf das Trommelfell geschoben und zusammengedrückt (komprimiert) worden, dann ist eine schmerzlose Entfernung kaum mehr möglich! Unter dem Druck des Pfropfes entzündet sich auch sehr schnell der Gehörgang, was so absolut rein gar nichts zur Schmerzlinderung beiträgt!

Also liebe Leute: seid bereits bei Euren eigenen Ohren zurückhaltend mit Wattestäbchen und Manipulationen im Gehörgang! Aber drückt um Himmels Willen nicht bei Euren Kindern das Ohrenschmalz zurück in die Tiefe der Gehörgänge! Beim Ohrenarzt gibt es dann ein großes Geschrei und im Extremfall muss das Cerumen unter Narkose entfernt werden! Wenn es unbedingt sein muss (ich weiß nicht, ob es unbedingt sein muss!), darf man die Ohrmuschel vorsichtig mit Wattestäbchen reinigen – stets nur soweit, dass man immer den ganzen Wattebausch des Stäbchens sehen kann! Niemals darf die Spitze des Wattebausches soweit „versenkt“ werden, dass sie unsichtbar wird! Also Finger weg von den Gehörgängen! Man erspart sich und den Kiddies damit eine Menge an Qualen!

Posted in:

Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht. Ich frage mich seit 2 Tagen wieso ich fast nichts mehr höre, obwohl ich doch „einwandfrei“ meine Ohren mit Wattestäbchen gereinigt habe! Da werde ich morgen gleich mal einen Termin beim HNO machen und hoffen das ich nicht zu sehr „gestopft“ habe 🙁

    Schöne Weihnachten!

  2. Ein toller Bericht, muss man schon sagen! Mich würde eure Meinung über Ohrenkerzen interessieren! Hab‘ Sie schon 2 mal verwendet. Habe heute die Diagnose Unterdruck im Ohr erhalten und überlege nun, ob ich die jetzt auch nehmen kann?!
    Danke für eure antworten.
    LG Ina

    • Herzlich willkommen Ina,
      und Danke für das Lob!

      Ohrenkerzen haben die Hopi-Indianer verwendet. Aus wissenschaftlicher Sicht kann man Ohrenkerzen keine Wirkung bescheinigen. Die Idee scheint zu sein, dass die durch die brennende Kerze erwärmte Luft aufsteigt und dabei das Ohrenschmalz aus den Gehörgängen saugt, wenn man denn in Seitenlage liegt. Diese Sogkraft erscheint mir viel zu schwach, um eine Wirkung haben zu können! Und ich weiß, wovon ich spreche – siehe oben!

      Unterdrucke in den Mittelohren kann man mit Ohrenkerzen natürlich auch nicht behandeln. Allein schon, weil der Unterdruck im Mittelohr ist und die Kerze im Außenohr steckt. Das Trommelfell trennt die beiden Räume und dichtet sie auch voneinander ab. Bei einer Trommelfellperforation liegt zwar eine „Undichtigkeit“ vor – und diese Undichtigkeit verhindert einen Paukenunterdruck. Wenn die Pauke (= Mittelohr) offen ist, kann sich ein Unterdruck erst gar nicht aufbauen. – Wenn Ihr HNO-Arzt schon die Diagnose „Paukenunterdruck“ bzw. „Tubenmittelohrkatarrh“ gestellt hat, dann hat er Ihnen sicher auch eine Therapie empfohlen? Dann ist doch alles klar …

  3. Jetzt steht auch bei mir ein Termin beim Ohrenarzt an. Ich habe nämlich dieses Jucken im Ohr. Natürlich von den Wattestäbchen.
    Danke für den tollen Aufklärungsbericht.

  4. Danke, eine schöne Erklärung, wie das so funktioniert.

    Ich reinige meine Ohren seit langem immer mit Wasser, wenn ich die Haare wasche und benutze nie Wattestäbchen. Trotzdem sind sie jetzt verstopft und ich muss zum Ohrenarzt.

    Was habe ich falsch gemacht, bzw. wie kann ich das künftig verhindern?

    • Hallo Monika,
      Sie haben nichts falsch gemacht. Leider gibt es in der Natur kein Anrecht auf ein „Nullrisiko“. Sie geben ein gutes Beispiel dafür, dass auch etwas „schief laufen“ kann, obwohl man „alles richtig“ macht. Es gibt nämlich neben den beeinflussbaren Faktoren auch solche, die man nicht beeinflussen kann. Und deshalb ist niemand vor „Unbill“ geschützt. Ist Ihnen das jetzt ein Trost? Vermutlich nicht … Aber der HNO-Arzt wird Ihnen sicher helfen.

  5. Wohin das „Reinigen“ mit Wattestäbchen führen kann, hab ich vor kurzem schmerzlich erfahren. Es hatten sich gleich 2 Entzündungen in einem Ohr gebildet. Mittel- und Außenohr. In den ersten Tagen war das Ohr so zugeschwollen, dass der HNO Arzt nicht hineinschauen konnte und die Schmerzen waren unerträglich. Seitdem habe ich auch kein Wattestäbchen mehr benutzt.

    Was kann ich eigentlich gegen Juckreiz machen? Das ist momentan der Fall und ich werde bald bekloppt deswegen.

  6. Sehr interessant!
    Wenn ich recht verstanden habe, sollte man nur außen in der Muschel, nicht aber die Gehörgänge reinigen und auch nicht entfetten? Heißt das, Babyfeuchttuecher sind auch nicht geeignet? Lieber mit Oel getränkte Tücher?

    • Als Faustregel kann man sagen, dass Sie überall dort reinigen dürfen, wohin Sie mit den Fingern kommen. Und zur Reinigung in diesem Bereich dürfen Sie natürlich auch Seife (Seife wirkt entfettend) oder Babytücher verwenden. Es ist nur wichtig, dass man nicht mit Wattestäbchen in die Tiefe geht!

  7. Ich war am Wochenende beim Schwimmen: seitdem ist mein rechtes Ohr verstopft und ich höre nicht gut. Natürlich, als ob ich es nicht besser gewusst hätte, habe ich mit dem Wattestäbchen versucht, das Ohr zu säubern. Das ist jetzt bereits 3 Tage her und es hat sich nichts verbessert. Muss ich einen HNO-Arzt aufsuchen oder kann man auch selbst etwas machen?

  8. Eine Frage bleibt bei mir noch: Nutzt man üblicherweise Wasserstoffperoxid für die Ohrspülung? Bei einem Termin beim HNO war ich doch erstaunt, ob dies nicht vielzu aggressiv ist… Darüber hinaus wurde mir eine verdünnte Lösung mitgegeben..
    Gibt es sanftere Alternativen?

    • Wasserstoffperoxid (in einer Konzentration von 3 %) nutzt man nicht zum Spülen. Es werden lediglich ein paar Tropfen eingeträufelt. Wenn Ohrenschmalz (oder andere Sekrete) vorhanden sind, dann beginnt die Wasserstoffperoxidlösung zu schäumen (es wird dabei auch etwas warm im Ohr). Nach 15 bis 20 Sekunden hört das Schäumen auf und der Schaum fällt in sich zusammen. Dann kann man das Ohr „ausgießen“ in ein Papiertaschentuch.

      Bei sehr verhärtetem Ohrenschmalz muss man die Prozedur eventuell an mehreren Tagen mehrfach wiederholen. Selbst wenn eine vollständige Reinigung fehlschlüge, erleichterte man dadurch die spätere Spülung beim HNO-Arzt.

      Bei der Anwendung einer 3prozentigen Wasserstoffperoxidlösung habe ich noch nie Schäden beobachtet.

      Es gibt sicher auch noch andere Möglichkeiten: Einerseits gibt es in der Apotheke entsprechende Tropfen zum Aufweichen. Andererseits kann man auch normale Öle verwenden oder eine Lösung aus Wasser und Spülmitteln – nur zum Einträufeln und Aufweichen, nicht zum Spülen.

      • Hallo Herr Dr. Vahle,

        Wie sieht es mit dem Spülen von H2O2 aus, wenn ein Patient ein Paukenröhrchen hat (wie mein Sohn)? Kann man dann auch ein paar Tropfen einträufeln? Wie viel Tropfen werden übrigens im Allgemeinen verordnet?

        Vielen herzlichen Dank für die Auskunft.

        • Hallo Birgit,

          Bei liegenden Paukenröhrchen empfehle ich, ein bis zwei Mal pro Woche ein bis zwei Tropfen vom Wasserstoffperoxid in die Ohren zu träufeln. Wasserstoffperoxid löst Schmutzpartikel und desinfiziert. Es schäumt für 10 bis 20 Sekunden im Ohr. Wenn der Schaum in sich zusammenfällt, kann man das Ohr in ein Papiertaschentuch „ausgegossen“ werden. Wenn es heftiger schäumt, ist viel Ohrenschmalz vorhanden; dann würde ich 2x pro Woche die Prozedur durchführen, ansonsten 1x pro Woche. Es gilt ja: Sauberhalten ist leichter als Saubermachen.

          Manche Kinder protestieren bei der Anwendung von Wasserstoffperoxid. In solchen Fällen kann man dann auf ölhaltige Ohrentropfen zurückgreifen.

  9. Hallo Herr Dr. Vahle,

    Ihre Ausführungen und Tipps sind sehr informativ und hilfreich, vielen Dank dafür. Meine Frage: Wenn man sich durch die Benutzung von Wattestäbchen den Cerumenfilm, wie Sie es beschrieben haben, „abgefräst“ hat und es zu immer wiederkehrendem Juckreiz mit nässendem Gehörgang kommt, kann man dann davon ausgehen, dass der Körper diesen Schutzfilm repariert und wieder herstellt, wenn man keine Wattestäbchen mehr benutzt? Was hilft, um die Heilung zu unterstützen? Oder besteht etwa die Gefahr, dass man dieses Milieu für immer unreparabel geschädigt hat?

    • Hallo,

      Keine Sorge, der Schutzfilm wird sich wieder aufbauen – wenn man ihn lässt! Man kann auch bei trockenen Ohren gelegentlich etwas Öl in die Gehörgänge träufeln. Bei anhaltendem Juckreiz sollte man zum HNO-Arzt gehen: Juckreiz ist ein unterschwelliger Schmerzreiz!

    • Hallo,

      Dazu kann ich natürlich keine Antwort geben!

      Erstens: Wenn die Reinigungsspray ihren Job gut erledigen, sehe ich die Anwender ja nicht.

      Zweitens: Wenn die Reinigungsspray schlecht wirken würden und ich würde das in der Öffentlichkeit so schreiben, was meinen Sie wie lange es dauern würde, bis ich schadensersatzpflichtig gemacht würde? – Daraus ergibt sich implizit ein Beantwortungsverbot…

      Ich kann aber sagen, dass von den Patienten, bei denen wir die Ohren professionell reinigen, nicht ein einziger zuvor in Eigenregie Reinigungsspray angewendet hat. Das heißt: Über Therapieversager kann zumindest ich nichts berichten.

  10. Hallo,

    danke für den Bericht!

    Meine Frage: Ich war noch nie beim HNO-Arzt, um meine Ohren professionell zu reinigen. Zum einen, weil ich es nicht für nötig gehalten habe (keine Schmerzen, etc) und zum anderen, weil viele Bekannte mir davon abgeraten haben: Wenn man einmal damit anfange, müsse man das immer wieder wiederholen, da dann auch der Schutzfilm entfernt werden würde – inwieweit trifft das zu?

    Vielen Dank!

    • Hallo Eva,

      Wenn Sie keine Beschwerden haben, dann müssen Sie die Ohren nicht professionell reinigen lassen. Wie gesagt: Die Ohren haben einen Selbstreinigungsmechanismus.

      Andererseits gibt es Leute, bei denen der Selbstreinigungsmechanismus – aus welchen Gründen auch immer – nicht funktioniert. Die haben dann gar keine andere Möglichkeit als die professionelle Ohrreinigung beim HNO-Arzt. Und dabei wird natürlich der Schutzfilm nicht zerstört! Und selbst wenn: Er baut sich doch immer wieder auf!

      Nein, da verwechseln Ihre Bekannten ganz offensichtlich „Ursache“ und „Wirkung“. Erst kommt die Ohrverstopfung, dann der Ohrenarzt. Und bei immer wiederkehrenden Verstopfungen ist nicht eine vorherige Reinigung der Grund für eine nachfolgende neuerliche Verstopfung!

      Sehen Ihre Bekannten auch den Grund für immer wiederkehrenden Hunger darin, dass man einmal damit begonnen hat, den Hunger zu stillen und zu essen? Sehen Sie!

  11. Hallo Herr Dr. Vahle,

    klasse und sehr verständlich verfasst dieser Bericht! Mein Ohr wurde heute gereinigt und es war kaum zu glauben, was da zutage kam. Hatte vorher genau die beschriebenen Symptome, auch noch genau zwischen den Jahren, wo kein HNO-Arzt geöffnet hat, und wäre fast verrückt geworden ob der Taubheit, der Schmerzen oder des Juckens.

    Jetzt wollte ich mal fragen, was Sie von diesem „EarScratcher“ halten?

    Nachdem ich Ihren Bericht gelesen habe, kann ich es mir aber eigentlich schon denken.

    Viele Grüße und nochmals vielen Dank für den Bericht!!!

    • Hallo Julian,

      Vielen Dank für Ihren Bericht!

      Ich kenne die „Ear-Scratcher“ zwar nicht; wenn sie aber das tun, was der Name verrät, dann werde ich sie bei meinen eigenen Ohren nicht anwenden!

  12. Sehr guter Bericht!

    Allerdings: das mit den Wattestäbchen verstehe ich nicht. Ich hatte früher immer Ohrenschmalz am Kopfpolster – soviel kommt bei mir heraus. Mein HNO meint, dass das nicht krankhaft sei und hat mir empfohlen täglich mit Babyöl und Wattestäbchen so tief wie möglich alles herauszuholen, was ich erreichen kann. Seit einem Jahr mache ich es so und es gibt keinerlei Ohrenschmalz mehr am Kopfpolster.

    Alle 3 Monate muss ich aber zu ihm gehen und er macht dann eine Spülung der Ohren, was ich als Wohltat empfinde, weil ich dann wieder so frei hören kann. Ist es möglicherweise besser, das Ohrenschmalz ohne Reinigen ausfliessen zu lassen?

    • Ich verstehe Ihre Frage nicht. Wenn Sie mit Wattestäbchen das Ohrenschmalz in die Tiefe drücken, dann ist doch klar, dass das Kopfpolster mit dem Ohrenschmalz in Berührung kommt und anschließend verfärbt ist. Vielleicht hängt auch mal etwa mehr am Kopfpolster als nur ein wenig Farbe. Aber das Wattestäbchen ist doch kein Korkenzieher, mit dem man das Ohrenschmalz herausziehen kann! Was meinen Sie wohl, wie viel Ohrenschmalz noch in der Tiefe verbleibt!

      Allenfalls kann man Baby-Pflege-Öl mit einem Wattestäbchen einbringen. Dabei das Wattestäbchen in Öl tauchen und dann das vollgesogene Wattestäbchen am Gehörgangseingang ausdrücken (wie ein Schwamm). Dabei den Kopf auf die Seite legen, sodass das betroffene Ohr oben liegt. Aber nie weiter als bis zum Eingang mit den Wattestäbchen in die Ohren gehen! Und wie ich im Artikel schon erklärt habe: Es ist besser, den Selbstreinigungsmechanismus der Ohren zu nutzen als ihn durch Manipulationen mit Wattestäbchen zu stören!

      Wenn die Ohren verstopft sind: Ab zum HNO-Arzt! Und dass das Hilfe bringt, haben Sie ja erlebt und auch beschrieben.

  13. Sehr geehrter Herr Dr. Vahle,

    Kann es sein, dass Ohrenschmalz im Alter immer härter wird? Woher kommt die Verhärtung? Sind es die langkettigen Fette, die wir essen? Können wir mit dem Essen von kurzkettigen Fetten dies verhindern oder verbessern?

    Ich freue mich auf Ihre Antwort
    Gruss von Elisabeth

    • Hallo

      Dass Ohrenschmalz im Alter immer härter wird, kann ich nicht behaupten. Ich habe ebensoviele Patienten, bei denen das Ohrenschmalz im Alter dünnflüssig ist. Welche Ursache Konsistenzänderungen haben, weiß man nicht. – Ich glaube auch nicht, dass irgendeine Universität ein Interesse daran haben könnte, für eine diesbezügliche Forschung auch nur einen Cent auszugeben …

      Aber einen Zusammenhang zu sehen zwischen der Konsistenz des Ohrenschmalzes und der Art der Nahrungsmittelfette, amüsiert mich schon sehr! Natürlich ist das eine völlig abwegige Vorstellung! Wie kommt man nur auf solch einen Blödsinn? Sind das esoterische Spinnereien?

      Nahrungsmittel werden natürlich im Verdauungssystem zerlegt und umgebaut. Da bleibt „kein Stein auf dem anderen“.

  14. Hallo,

    Sehr interessanter Bericht.
    Kann es bei verstopften Ohren auch zu Kopfschmerzen kommen oder hat das damit nichts zu tun?

    Vielen Dank im Voraus schon mal für die Antwort.

    • Hallo Jessi,

      Verstopfte Ohren schmerzen normalerweise nicht. Wenn aber das Ohrenschmalz sehr hart ist oder unter Druck steht, dann kann sich eine Gehörgangsentzündung entwickeln. Gehörgangsentzündungen sind schmerzhaft. Die Schmerzen bei Gehörgangsentzündungen sind normalerweise auch nur auf das Ohr begrenzt. Bei heftigen Entzündungen kann die Schmerzregion auch mal größer sein und die Schmerzen auf die entsprechende Kopfhälfte ausstrahlen. Das sind aber seltene Fälle. Und es ist dann auch nicht das Ohrenschmalz, das die Schmerzen auslöst, sondern die Gehörgangsentzündung.

      Von diesen Ausnahmen abgesehen, sind Kopfschmerzen nicht auf Gehörgangsverstopfung zurück zu führen.

  15. Lieber Herr Dr. Vahle,
    vielen Dank für so viel Information und Engagement ihrerseits!

    Vieles, was sie hier erklären, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Mein Mann und mein ältester Sohn (24 J.) müssen regelmäßig zum HNO-Arzt, um ihre Ohren spülen zu lassen. Bei ihnen funktioniert der Selbstreinigungsmechanismus leider nicht.

    Mit meinem zweiten Sohn (17 J.)musste ich gerade Montag zum 1. Mal zum HNO-Arzt, weil beide Ohren „dicht“ waren. Die eine Seite war nicht frei zu bekommen und mein Sohn musste einen Tag lang mehrmals Wasserstoffperoxidlösungen in sein Ohr träufeln. Am nächsten Tag konnte das Ohr ohne Probleme gespült und gereinigt werden! Willkommen im Club 🙂

    Meine Frage: Ist es Zufall oder genetisch bedingt, dass der Selbstreinigungsmechanismus bei meinem Mann und meinen beiden Söhnen nicht funktioniert?

    • Hallo Britta,

      Vielen Dank für Ihre anerkennenden Worte!

      Es ist natürlich schwer zu sagen, warum der Selbstreinigungsmechanismus nicht funktioniert. Die erste Frage wäre ja: Funktioniert er wirklich nicht? Wann war die erste Ohrspülung notwendig? Wahrscheinlich nicht im Neugeborenenalter.

      Genetische Faktoren kann man generell kaum ausschließen, besonders, wenn es sich um „multilokuläre Gene“ handelt – sprich, wenn mehrere Gene zusammenwirken. Dann hat man aber auch kaum eine Chance, eine genetische „Disposition“ nachzuweisen. Es bleibt da viel Raum für Spekulationen.

      Die Therapie ist in diesem Fall jedoch unabhängig von der Frage nach der Ursache: Unabhängig, ob Zufall oder erblich begünstigt: Außer Spülungen hilft dann ja ohnehin nichts.

      Kein wirklicher Trost, oder?

  16. Lieber Herr Dr. Vahle,

    bin soeben auf Ihre Webseite gestoßen – sehr informativ und Danke an dieser Stelle für die Informationen, die Sie hier preisgeben.

    Ich habe eine Frage und zwar: Ich wohne leider in einer sehr hellhörigen Wohnung, in der ich nachts ständig verschiedenen Lärmquellen ausgesetzt bin: Toilettenspülung der Nachbarn, schreiendes Baby, … Da ich ohnehin nur einen leichten Schlaf habe und bei diesem Lärm nicht schlafen kann, verwende ich beim Schlafen jede Nacht Ohrstöpsel.

    Jetzt meine Frage dazu: Ist das in irgendeiner Weise schädlich oder schlecht für die Ohren, wenn man jede Nacht ca. 8 Stunden mit Ohrstöpseln in den Ohren schläft? Und kann es sein, dass man sich damit nach einer gewissen Zeit die Ohren verstopft, weil das Ohrenschmalz aufgrund der Ohrstöpsel nicht aus dem Ohr ‚raus kann?

    Wäre Ihnen sehr dankbar für Ihre Antwort.

    Beste Grüße

    • Hallo Joe,

      Erste Frage: Nein, es ist nicht schädlich, wenn man mit Lärmschutz schläft. Natürlich muss man dabei auf die Hygiene achten…

      Zweite Frage: Leider ja. Mit Lärmschutz jedweder Art – übrigens auch mit Hörgeräten – kann man das Ohrenschmalz wieder zurück in die Tiefe drücken, sodass die Ohren schneller verstopfen als ohne diese Hilfsmittel. Wenn das passiert, sollten Sie zum HNO-Arzt gehen.

  17. Danke für diesen Artikel!
    Ich frage mich nur, wie man auch ohne Ohrenputzen mit Wattestäbchen einen Pfropf bekommen kann.
    Mein Sohn (4) klagte letztens „Mein Ohr ist zu! Mach das Ohr wieder auf!“ Gereinigt wird sein Ohr nur mit einem Feuchttuch. Was kann da passiert sein?
    Es wurde übrigens unter Protest beim HNO gereinigt.

  18. Ich verstehe eigentlich nicht, daß es nicht leicht möglich ist, sich z. B. in der Apotheke etwas zu kaufen, womit man sich den Propf selber entfernen kann, sei es auf Saugbasis oder auf mechanischer Basis wie ein Mini-„Klappspaten“, der sich beim Rausziehen öffnet und den Propf mit rausschiebt.

    • Nun, es gibt in der Apotheke Tropfen zu kaufen, die Ohrenschmalz weich machen.

      Ob es sinnvoll ist, als Patient – ohne Sicht! – im eigenen Gehörgang mit potenziell gefährlichen Werkzeugen zu manipulieren, beantworte ich mit einem klaren „Nein“.

  19. Ich habe mir mit den weich machenden Tropfen meinen Pfropf erst richtig schön kompakt und zu gemacht. Würde ich absolut nicht empfehlen.

    • Ihre Erfahrung in allen Ehren – aber verallgemeinern sollte man das nicht.

      Natürlich können Cerumenpfröpfe aufquellen, wenn sie befeuchtet oder mit Ölen behandelt werden. Und bei großen Cerumenpfröpfen kann das dann auch zum – vorübergehenden – Verschluss des Gehörganges führen. Manche Cerumenpfröpfe sind aber so hart und festsitzend, dass man sie nicht ohne Probleme entfernen kann. Dann bleibt nur eine Vorbehandlung mit einem Weichmacher („Lysebehandlung“) und die anschließende Spülung.

      Cerumenprobleme sind vielfältig. Nicht jede Methode ist bei jedem Patienten geeignet. Bei Problemen: HNO-Arzt! Ärzte haben Hände, Internetforen nicht…

  20. Hallo!

    Klasse Informationen hier.

    Ich habe beobachtet, dass nach Tauchgängen im Meer am folgenden Tag / Nacht deutlich mehr Ohrschmalz austritt als sonst. Ich habe das dann aussen mit Taschentüchern entfernen können und fand den Prozess eigentlich ganz hilfreich.

    Kann man das nicht nachstellen, indem man 1 – 2 ml Salzlösung eintröpfelt und nach ein paar Minuten das Ohr auslaufen lässt?

    LG,
    Sebastian Müller

    • Sie können das ja mal versuchen.

      Wissenschaftlich gesehen, haben sie eine „Kasuistik“ berichtet, eine „Fallbeschreibung“. Ob der von Ihnen beobachtete Effekt auch bei anderen auftritt, wissen wir nicht. „Kasuistik“ ist nicht „Statistik“.

      Klar ist, dass es einen Selbstreinigungsmechanismus gibt, der bei weichem Cerumen besser funktioniert als bei hartem. Ob das Salz dafür erforderlich ist? Wahrscheinlich nicht; osmotische Vorgänge belasten zwar die Schleimhaut, nicht aber die „Hornhaut“.

      Dass das Weichmachen von Ohrenschmalz funktioniert, wissen wir. Es gibt auch käuflich zu erwerbende „Weichmacher“, die jedoch meistens Öle enthalten.

      Ihre persönlichen Erfahrungen in allen Ehren – aber eine allgemein gültige Leitlinie möchte ich daraus jetzt nicht erstellen…

  21. Sehr geehrter Herr Dr. Vahle

    Ich habe soeben in einem Internetforum gelesen, dass es bei einem verstopften Gehörgang hilfreich wäre, bei zugehaltener Nase Druck auf die Ohren aufzubauen. Würden Sie dies für eine kurzfristige Verbesserung empfehlen oder kann man damit Verletzungen hervorrufen?

    Ich danke im Voraus

    Liebe Grüße

    • Hallo,

      Ja ja, die Internetforen!

      Was soll ein Druckausgleich denn bringen? Ein Druckausgleich bei zugehaltener Nase erhöht den Druck im Mittelohr. Die Luft kann aber nun nicht von innen in den Gehörgang gelangen, um das Ohrenschmalz nach außen heraus zu blasen: Es gibt ja ein geschlossenes Trommelfell, das genau dieses verhindert!

      Der Vorschlag ist also kompletter Quatsch – es sei denn, der Ideengeber hat ein Loch im Trommelfell und schließt von sich auf andere…

      Dass man einen so starken Druckausgleich ausübt, dass das Trommelfell durch den Überdruck zerreißt ist äußerst unwahrscheinlich: normalerweise hat man dazu nicht genug Kraft im Zwerchfell…

  22. Lieber Herr Vahle,

    haben Sie vielen lieben Dank für Ihre sehr gute Aufklärungsarbeit hier.

    Ich war eigentlich auf der Suche nach einer plastikfreien Alternative für Wattestäbchen – doch seit ich jetzt Ihren Bericht gelesen habe, werde ich wohl alle noch vorhandenen Stäbchen vor meiner Familie verstecken 🙂 Wir werden ab jetzt nur noch für das äußere Ohr ein Frottietuch verwenden…

    Wir haben früher zu Hause unsere Ohren ab und zu mit so einem Gummiball mit spitzem Auslass gespült. Aber das scheint mir – wenn ich das so lese – nicht sinnvoll zu sein.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unsere Ohren nur dann zu jucken anfangen, wenn wir erkältet sind. Und nur dann haben wir die Ohren mit den Stäbchen ganz vorsichtig gesäubert. Das haben wir die letzten 20 Jahre so gemacht und es ist niemals zu einer Verstopfung gekommen. Dennoch hat dies nun ein Ende! 🙂

    Ich danke Ihnen noch einmal sehr für Ihr Engagement.

    Herzlichst,
    Kerstin.

  23. Lieber Herr Dr. Vahle,

    auch von mir vielen Dank für Ihre kompetente Beratung im Netz.

    Im Sommer-Urlaub (weit weg vom nächsten HNO-Arzt) habe ich Ihre „Dusch-Spülung“ sehr vorsichtig ausprobiert – und mein Ohr war wieder frei und der Rest des Urlaubs entspannt.

    Liebe Grüße
    Martin

  24. Lieber Herr Dr. Vahle,

    vielen Dank für all Ihren ausführlichen Erklärungen. Unfallbedingt habe ich ein Hörproblem. Ich kann damit leben – aber nicht gut hören zu können, ist trotzdem nicht schön und dies möchte ich zumindest meinen Kindern ersparen, soweit ich kann. Zum Glück habe ich das Säubern der Ohren sehr sehr selten gemacht und immer wieder vergessen :-). Nur mein Gefühl bleibt: was ist, wenn ich diesbezüglich etwas bei den Kids vergesse und auch nicht mit ihnen zum Ohrenarzt gehe (weil: warum da hin, wenn nichts ist?), was wird dann passieren? Ich vermute, ich werde Ihre Berichte nochmal lesen und mich bemühen, diese Angst loszuwerden ;-). Herzlichen Dank!

    LG
    Andrea

    • Hallo Andrea,

      Danke für Ihren Beitrag.

      Aber mal ehrlich: Was wäre denn schlimm daran, mit den Kindern zum Ohrenarzt zu gehen und einfach mal nachschauen zu lassen? Wenn nichts ist, dann wird er auch nichts machen. Dann lernen Sie und Ihre Kinder den HNO-Arzt mal kennen. Und sollte wirklich mal etwas sein, dann ist die Vertrauensbasis bereits hergestellt. Wäre das nicht mal eine Idee?

  25. Hallo Dr. Vahle,

    ich bin Tauchlehrer und berufsbedingt häufig im Wasser (Salzwasser). In letzter Zeit Juckt der Gehörgang, also ein unterschwelliger Schmerzreiz. Kann hier ein Einträufeln einer Wasserstoffperoxidlösung zur Desinfektion Sinn machen ohne gleich antibiotikahaltige Ohrentropfen zu nehmen?

    • Hallo Herr W.,

      Ja, Wasserstoffperoxid ist ein mildes Desinfektionsmittel, das man nach dem Tauchgang anwenden kann, um die Keimzahl zu reduzieren. Zusätlich empfehle ich aber vor dem Tauchgang ölhaltige Ohrentropfen einzuträufeln: Die Gehörgangshaut ist dann nämlich vor dem Salzwasser geschützt.

      Herzliche Grüße
      Dr. Vahle

  26. Hallo Herr Dr. Vahle,

    vielen Dank für diesen Bericht. Sie haben geschrieben, dass es unterschiedliche Methoden gibt. … Wann muss das Ohr ausgespült werden und wann kommen die Häkchen zum Einsatz?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    • Hallo,

      Ihre Frage kann ich leider nicht beantworten: Jeder Arzt entscheidet bei jedem Patienten individuell, wie das Ziel – nämlich gereinigte Ohren – erreicht.

  27. Super Bericht / Tipps zur Ohrenreinigung!! …sogar mit worst case Szenarien und auch mit Unterhaltungswert 🙂

    Was kann man nach einer erfolgten Ohrenspülung durch den Facharzt noch machen, wenn man doch noch nicht so plötzlich wieder superklar hört, wie man das nach einer solchen professionellen Ohrspülung normalerweise gewohnt ist – also wie kann man möglicherweise verbliebene Reste vonzusammengeschobenen Ohrenschmalz vom Trommelfell ablösen? Hat das Trommelfell selbst auch diesen Selbstreinigungsmechanismus oder nur der Gehörgang? Abwechselnd Ohröl (Sesamöl, Cerustop etc,) mit Normison eintropfen – oder doch mal mit 3% Wasserstoffperoxidlösung versuchen, um mögliche letzte Cerumenreste direkt vom Trommelfell ab- bzw. aufzulösen?

    Danke für Hinweise!

    • Hallo Hubert,

      Danke für den Kommentar!

      1. Man kann natürlich beim Facharzt auch „reklamieren“ und sagen, dass das Hörvermögen noch nicht so gut ist, wie erwartet.

      2. Das Trommelfell hat auch einen Selbstreinigungsmechanismus. Man hat das festgestellt, indem man Tuschepunkte auf das Trommelfell aufgebracht hat. Es dauert zwar lange, aber die Tuschepunkte „wandern“ langsam „radiär“ nach außen – also immer weg vom Mittelpunkt hin zum Rand. Aber große Brocken an Ohrenschmalz lassen sich so vom Trommelfell kaum – zumindest nicht in angemessener Zeit – beseitigen.

      3. Man kann Öl (egal, welches Öl) einträufeln, um das Cerumen zu erweichen. Und man kann auch 3%iges Wasserstoffperoxid einträufeln, um das Cerumen zu lösen und heraus zu bringen. Und man kann natürlich auch beide im Wechsel anwenden; bei verhärtetem Cerumen ist das eine sehr gute Methode.

  28. Lieber Herr Dr. Vahle,

    ich finde diese Seite ganz großartig! Ich habe eine Frage: ich habe in einem Ohr eine Exostose, die den Gehörgang deutlich verkleinert. Dadurch passiert es manchmal, dass das Ohr verstopft, häufig nach dem Schwimmen. Mein HNO-Arzt kommt bislang gut mit Sauger und Häkchen hinein, aber klassischerweise passiert die Verstopfung IMMER am Wochenende, nachts oder in den Ferien. Olivenöl habe ich zum Lösen mit nur leichtem Erfolg ausprobiert, Wasserstoffperoxidlösung habe ich mich noch nicht getraut. Kann dem gesunden Ohr etwas passieren, wenn die Lösung zu lange im Ohr verbleibt? Aufgrund der Verengung dauert es bei mir immer etwas länger, bis alles wieder herauskommt. Ich habe daher oft Panik vor meinen leider regelmäßigen und obligatorischen Reisen nach Nordafrika, wo ich freiwillig nicht zu einem Arzt gehen würde. Also Wasserstoffperoxidlösung in die Reiseapotheke, oder doch lieber nicht? Wie lautet dazu Ihre Meinung? Ich bedanke mich für Ihren Rat und wünsche einen wunderschönen Sommer! Dido

    • Hallo und herzlich willkommen!

      Wasserstoffperoxid in der üblichen Konzentration von 3 % führt bei einer gesunden Haut üblicherweise nicht zu Schäden (es sei denn, es liegen Überempfindlichkeiten vor). Beim Kontakt mit dem Cerumen beginnt das Wasserstoffperoxid zu schäumen. Der Schaum fällt nach ca. 10 bis 30 Sekunden in sich zusammen. Danach kann das Ohr mit dem Wasserstoffperoxid und den darin gelösten Teilchen „ausgegossen“ werden. Bei Bedarf kann man die Prozedur mehrfach wiederholen.

      Bei hartnäckigen und harten Verstopfungen empfehle ich eine intensivere Behandlung: Beginn mit Wasserstoffperoxid, anschließend ölige Ohrentropfen zum Lösen der verliebenen harten Reste. Das ganze 2x täglich bis zur Beschwerdefreiheit.

      Wenn man keine akute Verstopfung hat, sondern „nur“ regelmäßige Probleme, empfehle ich dennoch, diese Prozedur ein- bis zweimal pro Woche zu wiederholen: Sauberhalten ist leichter als Saubermachen.

      Bei Gehörgangsverengungen sollten Patienten mit ihrem HNO-Ärzten sprechen: Es gibt Operationsmöglichkeiten zur Erweiterung der Gehörgänge.

  29. Lieber Herr Dr. Vahle,

    danke für Ihre Seite und Ihre nicht nachlassende Bemühung alle Fragen zu beantworten.

    Was ich mich schon häufig gefragt habe ist, ob die Verwendung von Ohrstöpsel den Selbsrreinigungsmechanismus stört. Ich verwende zwar maßangefertigte Stöpsel, d.h. ein zu weites Reindrücken ist durch den Formschluss schon verhindert, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es eben jenen Mechanismus blockiert.

    Trügt mich mein Gefühl oder können Sie das erklären?

    Viele Grüße
    Marion

    • Hallo Marion,

      Sie haben Recht: Mit Lärmschutz – auch mit maßgeschneidertem – kann man Cerumen wieder etwas zurückdrücken.

      Ob sich diese theoretische Möglichkeit auch realisiert, ist eine andere Frage. Das hängt sicher von sehr vielen Einzelfaktoren ab. Es ist ein großer Unterschied, ob man Lärmschutz täglich über viele Stunden benutzt oder nur sporadisch. Es hängt von der Konsistenz des Cerumens ab. Es hängt davon ab, wie oft man die Gehörgangseingänge vom Cerumen befreit.

      Aber grundsätzlich ist die Möglichkeit gegeben, dass Lärmschutz hinsichtlich des Cerumens problematisch werden kann. Andererseits ist natürlich auch der Verzicht auf Lärmschutz problematisch: nämlich in Bezug auf die Entstehung einer Lärmschwerhörigkeit.

One Ping

  1. Pingback:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Hinweis

Sie sind herzlich eingeladen, einen Kommentar einzureichen. Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

Wir möchten Sie jedoch bitten, keine individuellen Anfragen zu persönlichen Erkrankungen zu stellen. Eine individuelle ärztliche Beratung zu Ihrer Erkrankung können wir nicht in diesem Rahmen durchführen. Bei Fragen zu Ihren Erkrankungen fragen Sie bitte Ihren Arzt / HNO-Arzt oder vereinbaren einen Termin mit uns in der Praxis.