Tinnitusmerksprüche

Tinnitus. Verlust der Stille.

Tinnitus. Verlust der Stille.

Zum Thema Tinnitus habe ich schon viel geschrieben und erzählt.

Eine wesentliche Schwierigkeit in der ganzen Tinnitusproblematig liegt in der „Psychsomatik“, der Kombination von körperlichen und psychischen Faktoren. Unsere Psyche lässt sich nicht mit einfachen Befehlen steuern. Unser Gehirn, unsere Psyche kennt zum Beispiel das Wort „Nein“ (in allen seinen sprachlichen Formen) nicht. Was muss ich meiner Psyche mitteilen, wenn ich den Tinnitus „nicht“ hören will? Am ehesten funktionieren noch Bilder.

An dieser Stelle möchte ich gern in lockerer Folge kleine und kurze „Merksprüche“ vorstellen, die schlaglichtartig einzelne Aspekte im Umgang mit dem Tinnitus beleuchten sollen. Diese Merksprüche haben einen rein didaktischen Charakter ohne Anspruch auf hochwissenschaftliche Exaktheit.

Gleich hier der erste Spruch:

Alle Menschen haben Tinnitus. Die einen wissen es, die anderen nicht.
Therapieziel ist: Es nicht zu wissen.

Ich muss Sie jetzt mit diesem Spruch leider allein lassen. Wie bewerkstelligt man es, sein Wissen zu verlieren? „Vergessen“ funktioniert nicht, denn „Vergessen“ ist ein aktiver Vorgang, der in die Wörtergruppe „Nein“ gehört, die unser Gehirn, unsere Psyche ja nicht kennt …

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Kommentare

  1. Als ich vor drei Jahren diesen unsäglich folgeträchtigen Unfall hatte, tauchte er zum ersten mal auf – der Ton im Ohr. Das private Leben war nicht nur durch den Unfall beeinträchtigt, gleichzeitig verändert sich alles – Arbeitsumfeld, Familien- und Wohnsituation. Als ich nach knapp 1,5 Jahren wieder eine Arbeit fand, freute ich mich zunächst – doch der Ton wurde damit dauerhaft; der Stress schien unerträglich. Und nun, wieder 1,5 Jahre später, ist die Arbeit zu Ende und der Ton jetzt erst recht dauerlaut und dauerpräsent – der allgemeine Stress allerdings weniger.

    Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge!

    Wahrscheinlich werde ich nun mit Ende 50 doch den Mut haben endlich meiner Begabung zu folgen! Meine vier Kinder sind aus dem Haus, meine Enkelinnen aus dem Gröbsten ‚raus und ich lebe mit meinem „geliebten“ Herrn Tinnitus. Er erinnert mich an den Ton des Sendungsende im Fernsehen – damals, als noch 3 Programme unser Leben bestimmten und um Mitternacht alles zu Ende war, was flimmern und senden konnte. Ich habe mich entschlossen, nicht erneut ein MRT oder dies und das und jenes und nochmals jenes und dies und das zu unternehmen, Stunden durch die Stadt zu laufen von Wartezimmer zu Wartezimmer, von mitleidigen, ärztlichen Blicken und Kommentaren – sicher auch bezogen auf mein „Alter“, wie mehr als einmal erfahren – was für eine Armutszeugnis! – ohne konkrete und letztlich hilfreiche Begegnungen erhalten zu haben. Nun gut – die Seele spielt eine Rolle und Ja ich hatte und habe unglaublich viel um die Ohren und auf der Seele UND …

    Tja, mein Freund der Tinnitus erleichtert mir nicht gerade mein Dasein, doch – da muss ich wirklich nachdenken – welche meiner hautnahen Liebsten mir bisher mein Dasein erleichtert haben!

    Vielen Dank – Sie haben mir geholfen mit Ihrem Ansatz der Ganzheitlichkeit! Vor allem genau diese öffentlich gefunden zu haben! Trotz Allem wäre mir ein tonloses Feld im Ohr lieber! Ich bleibe dran und arbeite an mir, denn die Frage ist ja auch, was ich nicht hören will angesichts dessen, dass in meinen Ohren ununterbrochen Frequenzen sinnlos vor sich hinsurren. Ich traue mir den Durchgang zu – den Gang durch dieses Surren hin zu dem, was meine Seele – meine innere Stimme mir sagen will!

    Bin jetzt grad nochmals richtig ermutigt worden!
    Danke!

  2. Lieber Dr. Vahle,
    Ich möchte mich bei Ihnen von Herzen für die psychologischen Ausführungen zum Tinnitus bedanken. Sie haben meine Sichtweise stark verändert. Eine hervorragende Seite.
    Sie sprechen etwas aus, was jeder Tinnitusleidende ahnt, nur nicht so recht in die Tat umsetzen kann.

    Ich werde versuchen, mir meinen Tinnitus zum Freund zu machen. Wir haben uns noch nicht so recht bekannt miteinander gemacht, weil er noch ziemlich neu ist. Er kommt zu Besuch, wann immer er will. 😉

    Ganz liebe Grüße und vielen Dank.
    E. L.

  3. Ich kann mich Serja nur anschließen: das „Ärztehopping“ hat mich erstmal richtig „reingeritten“. Ich habe schon an Tagen großer Lautstärke „Aussetzer“ im Tinnitus gehabt. Nur war Ich dann so dumm, mich zu wundern und wieder zu kontrollieren. Natürlich hat er sich gefreut. Die Katze, die man füttert, kommt auch gerne 🙂

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