Synchronizität

Manchmal passieren sonderbare Dinge!
 
Vor einigen Jahren hatten wir ein schweres Gewitter in unserer Gegend. Kurzzeitig flackerten alle Lampen in der Praxis. Zwei Rechner haben sich aus dem Netzwerk so gekonnt ausgeklinkt, dass nur der PC-Pannendienst helfen konnte.
 
Seit diesem Gewitter meldete ein Messplatz-Rechner nach dem Hochfahren: die Datei „vsdata95.vxd“ konnte nicht gefunden werden. – Nun ja, der Rechner lief und eine Fehlfunktion fiel mir nicht auf.
 
Zwei Tage später sollte nach dem Gewitter die erste Messung (Gleichgewichtsuntersuchung mit sog. „Videookulographie“ – ein Verfahren, bei dem schwindeltypische Augenzitterbewegungen [Nystagmen] mit einer Videokamera aufgezeichnet werden) durchgeführt werden. Es funktionierte nicht. Meine Damen sagten mir gleich: „Das liegt vermutlich am Gewitter!“
 
Es kam mir eine Idee: die Fehlermeldung! Das „vs“ im Namen könnte doch für „Video-System“ stehen? Ein Anruf bei der Softwarefirma bestätigte, dass diese Datei tatsächlich für die Videokamera notwendig sei! Ich solle sie mir irgendwoher besorgen. – Nun gut, bei vier weiteren Rechnern mit demselben Betriebssystem (damals noch Windows 95 – so lange ist das schon her) im Netzverbund war das nicht schwer. Nachdem die Datei wieder auf dem Messrechner installiert war, fuhr er ohne Fehlermeldung hoch.
 
Nur – die Videobrille funktionierte immer noch nicht! Nach einigem Hin und Her und Telefonaten mit der Herstellerfirma haben wir herausgefunden: An der Videobrille war ein Kabel gebrochen!

Zwei Fehler zur gleichen Zeit! Der Kabelbruch kann unmöglich am Gewitter liegen – zu dem Zeitpunkt lag die Brille friedlich in der Schublade! Beide Fehler reichen einzeln bereits aus, das System „auszuschalten“! Warum beide gleichzeitig? Warum jetzt? Warum bei mir??
 
Carl Gustav Jung nennt das Phänomen „Synchronizität“. Er hat mit dem Physiker Wolfgang Pauli darüber geforscht (das ist der mit dem „Pauli-Prinzip“). Er hat auch ein Buch darüber geschrieben: „Synchronizität, Akausalität und Okkultismus“. Synchronizität liegt zwischen zwei Ereignissen vor, die gleichzeitig auftreten, nicht ursächlich (kausal) miteinander verknüpft, wohl aber sinnverwandt sind.
 
Was sagt die Statistik dazu? Es ist doch wohl absolut unwahrscheinlich, dass nach einem Gewitter eine wichtige Datei fehlt und gleichzeitig ein Kabel bricht! Da müssen doch okkulte Kräfte am Werk sein! Oder etwa nicht?
 
Nun – dass auf Computern Dateien fehlen, ist gar nicht mal so selten! Wer hat noch keine Probleme mit irgendwelchen fehlenden Dateien gehabt? Computerprobleme, Dateiprobleme, können jede Funktionseinheit und jede Software betreffen. Natürlich auch Videotreiber!

Und wer hätte noch niemals einen Kabelbruch erlebt? Auch das ist kein seltenes Ereignis! Das kommt sicherlich jeden Tag mehrfach vor in unseren Landen!

Und wenn man jetzt mal fragt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann in einem Zeitraum von vielleicht – sagen wir mal – zehn Jahren irgendeinen Menschen beide Ereignisse zeitnah treffen (ob sie wirklich gleichzeitig aufgetreten sind, weiß ich ja nicht mal! Es können ja durchaus 2 bis 4 unbemerkte Tage dazwischenliegen!): Dann sieht die Sache ganz anders aus! Solche zeitnahen Dinge, die – außer dass sie „sinnverwandt“ sind – nichts miteinander zu tun haben, sind bestimmt nicht selten! Jedenfalls ist für Okkultismus an dieser Stelle absolut kein Platz: Man darf mit seinen Erklärungsversuchen nicht so schnell aufgeben! Es gibt mehr Scheineffekte als echte Effekte! Und je genauer man hinsieht, desto mehr „Effekte“ wandeln sich zu „Scheineffekten“! Wir haben eine Reihe von Sinnesorganen – aber kein Sinnesorgan für Statistik! Statistik kann uns deshalb jederzeit zum Narren machen! Prof. Walter Krämer hat da ein sehr schönes und relativ leicht verständliches Buch geschrieben: „Denkste. Trugschlüsse aus der Welt der Zahlen und des Zufalls.“
 
Wir sollten uns unsere geistige Unabhängigkeit erhalten! Ein Zufall wie dieses Erlebnis ist immer sehr verblüffend! Und auch – wenn der Stress mit den kaputten Geräten vorbei ist – manchmal sehr lustig und erheiternd. Aber dann muss man mal im Geiste einen Schritt „zurückgehen“ und die Sache von einer anderen, höheren Perspektive aus sehen! Die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen, die bereits eingetreten sind, ist nämlich absolut nicht klein, sondern absolut groß – nämlich 100 %!
 
Heute ist mir ein Auto entgegengekommen! Mit dem Nummernschild (ich glaube) „MS PZ 465“! Stellen Sie sich das mal vor! Es gibt in ganz Deutschland – ach, was sage ich, in der ganzen Welt! – nur ein Auto mit diesem Nummernschild! Und das ist mir begegnet! Ausgerechnet mir! Ausgerechnet heute! Wenn das nicht okkult ist… Und das war längst nicht das einzige Auto, was ich heute gesehen habe! Und alle Autos hatten Nummernschilder, die in der ganzen Welt nur ein einziges Mal vorkommen! Phantastisch, nicht?
 
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