Nasenspray-Sucht

Copyright: Sven Weber - FotoliaEs gibt nicht wenige Menschen, die das Gefühl haben, sie könnten auf Nasenspray nicht mehr verzichten. Sie befürchten, süchtig zu sein nach Nasenspray.

Es stimmt schon: Nach längerer Anwendung stellt sich eine gewisse Abhängigkeit vom Nasenspray ein. Eine „Sucht“ im eigentlichen Sinne ist es aber nicht! Die Anwendung von Nasenspray wird nicht mit einem „euphorischen“ Gefühl (Gefühl der Hochstimmung) belohnt, sondern nur mit einer freien Nase. Auch führt das Absetzen von Nasenspray nicht zu gefährlichen körperlichen Entzugssymptomen (vegetativen Symptomen, Zittern, Kreislaufproblemen), sondern nur zu einer verstopften Nase.

Aber eine verstopfte Nase ist nicht schön. Und sie ist schnell beseitigt: Mit Nasenspray!

Was ist passiert, dass Nasenspray mich um immer neue Anwendungen „bittet“?

Nasenspray hat als Medikament nur eine Wirkung mit begrenzter Dauer. Nasenspray wirkt nicht „ewig“. Nasenspray beseitigt keine anatomischen Atemhindernisse in der Nase. Nasenspray hat lediglich eine – zeitlich begrenzte – abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut.

Die Größe des Naseninneren ist bekanntlich ziemlich unveränderlich (Veränderungen in beschränktem Maße sind zwar möglich, aber nur durch Operationen!). Das Naseninnere teilen sich die Nasenschleimhaut und die Atemluft. Wird die Nasenschleimhaut dünner, dann steht mehr Platz für die Atemluft zur Verfügung. So einfach ist das.

„Irgendwann“ – nach etwa 8 Stunden – verschwindet die Wirkung des Nasensprays. Die bis dahin abgeschwollene Schleimhaut schwillt wieder an und der Platz für die Atemluft wird wieder kleiner. Wie weit schwillt die Nasenschleimhaut an? Bis zum „Startwert“, wie er sich unmittelbar vor der Nasensprayanwendung zeigte?

Nein. Weit gefehlt!

Die Schleimhaut schwillt stärker an als zuvor! Das kann bis zur vollständigen Atemluft-Blockade im Naseninneren führen. Und nicht nur das! Nicht nur die vollständige Undurchlässigkeit der Nase ist unangenehm! Die Schleimhaut würde sogar noch weiter anschwellen, wenn sie denn könnte und nicht durch die äußeren Nasenwände an einer weiteren Anschwellung gehindert würde. Dabei baut die Nasenschleimhaut einen gewissen Überdruck im Naseninneren auf und der ist sehr unangenehm!

Die gute Nachricht ist: Auch ohne Nasenspray wird die Schleimhaut wieder dünner und erreicht letztendlich doch noch den Schwellungsgrad, den sie vor der Nasensprayanwendung hatte.

Die schlechte Nachricht ist: Ohne Nasenspray dauert das länger als mit neuem Nasenspray.

Aber es funktioniert! Das Verhalten der Nasenschleimhaut nach Nasensprayanwendung nennt man „Rebound-Effekt“. Es ist vergleichbar einer Kinderschaukel mit einem ziemlich verrostetem Lager. Man lenkt die – sich am tiefsten Punkt befindliche – Schaukel auf eine bestimmte Höhe aus („Abschwellphase“) und  hält sie eine bestimmte Zeit fest („Wirkungsdauer“). Dann muss man sie irgendwann („Ende der Wirkungsdauer“) wieder loslassen, und die Schaukel schwingt langsam (wegen des verrosteten Lagers) wieder zurück („Anschwellphase“). Aber trotz des verrosteten Lagers bleibt die Schaukel nicht abrupt im tiefsten Punkt („Startwert“) stehen, sondern schwingt langsam weiter durch zur anderen Seite („zusätzliche Anschwellphase“). Nachdem die Schaukel einen Endpunkt erreicht hat – natürlich auf viel niedrigerem Niveau als bei der Erstauslenkung – schwingt sie noch langsamer (wegen des niedrigeren Ausgangsniveaus und des immer noch verrosteten Lagers) wieder zurück, bis sie dann im tiefsten Punkt („Startwert“) zur Ruhe kommt.

Was ich hier beschrieben habe, ist eine sogenannte „gedämpfte Schwingung“. Der Rebound-Effekt beim Nasenspray ist einer derartigen gedämpften Schwingung ähnlich.

Rebound-Effekt

Rebound-Effekt


 

Wie kommt man denn jetzt in Kenntnis des Rebound-Effektes vom Nasenspray wieder los?

Ganz klar: Wieder Nasenspray zu nehmen, ist keine gute Idee! Schließlich mache ich dann ja mit Nasenspray eine Schwellung weg, die ich ohne Nasenspray gar nicht hätte!

Es hilft nichts: Man muss die Phase der „post-medikamentösen“ (die Phase nach dem Wirkungsende) Nasenblockade „irgendwie“ überwinden. Vielleicht hilft es etwas, wenn ich sage, dass diese Phase eine nur endliche Dauer hat und es ein Licht am Ende des Tunnels gibt.

An dem Wörtchen „irgendwie“ haben Sie vielleicht erkannt, dass es noch Strategien gibt, wie man sich diese Phase zumindest ein wenig erleichtern kann.

Man kann zum Beispiel die Nase feucht halten. Dazu eignen sich Meerwasser-Nasensprays und Nasenöl-Sprays. Keine Sorge: Das Wort „Spray“ zeigt ja nur an, wie die Flüssigkeit in die Nase gelangt. Der Rebound-Effekt ist nicht eine Eigenschaft des Flüssigkeitsnebels sondern eine Eigenschaft des abschwellenden Wirkstoffes (z. B. „Xylometazolin“) im Spray. Meerwassersprays und Nasenöle pflegen die Schleimhaut und lösen Verkrustungen, sodass die Nase ein wenig freier wird. Aber Meerwassersprays und Nasenölsprays haben natürlich keinen Rebound-Effekt!

Eine weitere Strategie ist das „zweizeitige Absetzen“. Ja, Sie haben richtig gelesen: Ich meine „zweizeitig“ und nicht „zweiseitig“! Wir haben bekanntlich zwei Nasenlöcher – für jede Nasenseite ein eigenes Nasenloch. Und niemand verlangt, dass wir beide Nasenseiten „gleichzeitig“ entwöhnen müssen. Man kann das auch nacheinander – „zweizeitig“ eben – tun. Das zweizeitige Absetzen bedeutet, dass immer nur eine von beiden Nasenseiten zugeschwollen ist. Die andere Seite bleibt dann immer frei. Zu Beginn bleibt eine Seite frei, weil dort das Nasenspray einfach weiter angewendet wird, während es auf der anderen Seite schon abgesetzt ist. In der zweiten Phase bleibt die andere Seite frei, weil sie die „Ausschwingphase“ schon überwunden hat! Es ist klar, dass man beim zweizeitigen Absetzen die Seiten nicht wechseln darf! Also z. B. links absetzen und rechts weitersprühen. Immer nur rechts weitersprühen – nicht mal rechts, mal links (wie es schon vorgekommen ist)! Ist die linke Seite freigeworden, dann auch rechts kein Nasenspray mehr einsprühen. Nicht links wieder damit beginnen (wie es schon vorgekommen ist)!

Zweizeitiges Absetzen

Gleichzeitiges Absetzen – Zweizeitiges Absetzen


 

Ich möchte nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass der gesamte „Entwöhnungs-Stress“ auch durch das zweizeitige Absetzen nicht verkleinert werden kann! Entweder bewirke ich bei halber „Stress-Dauer“ eine doppelte „Stress-Stärke“ oder ich erziele bei doppelter „Stress-Dauer“ eine halbe „Stress-Stärke“. Das mathematische „Kommutativgesetz“ sorgt dafür, dass „einhalb mal zwei“ das gleiche Ergebnis liefert wie „zwei mal einhalb“ … Man mag das in diesem Fall bedauern, aber das hilft leider auch nichts …

 

Foto: Dr. Wolfgang VahleWenn es mit diesen Strategien nicht gelingt, sich vom Nasenspray zu entwöhnen, dann sollte eine Vorstellung beim HNO-Arzt (gern auch bei uns) auf dem Programm stehen. Man muss dann gemeinsam nach den Ursachen der Nasenatmungsbehinderung suchen und diese gezielt behandeln. Wir Profis haben da einfach mehr Möglichkeiten als Sie …

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Kommentare

  1. Da ich immer wieder eine verstopfte Nase habe und davon Kopfschmerzen bekomme, nehme ich immer Nasenspray. Und, ja ich bin jetzt süchtig geworden. Was kann man da machen, um aus diesem Teufelskreis raus zu kommen?

  2. Ich nehme Spray seit 2 Jahren und habe richtige Panikattacken, wenn die Nase „zu“ geht. Ich möchte aber gern vom Nasenspray „weg kommen“. Kann man eigentlich ersticken, wenn die Nase komplett verschlossen ist?

    • Nein, wenn die Nase komplett verschlossen ist, dann öffnet man automatisch den Mund und atmet durch den Mund. Aber der darf dann nicht auch noch zugehalten werden!

  3. Hallo zusammen,

    was ist in Zusammenhang mit der Entwöhnung vom hierzu beworbenen Nasenspray Capsinol zu halten? Wirkstoff: Capsaicine, das ist ein Bestandteil des Spanischen Pfeffers. Angeblich natürliches Präparat, das vor allem nicht abhängig machen soll.

    • Hallo,

      Capsaicin ist tatsächlich der scharfe Bestandteil im Pfeffer (und in anderen scharfen Gewürzen wie z. B. Chili, Paprika, Peperoni). Die eigentliche Schärfeempfindung ist die Wirkung eines Peptids mit dem Namen „Substanz P“. Capsaicin führt zur Ausschüttung von Substanz P aus Nervenfasern und löst damit die Schärfereaktion aus. Bei wiederholter Anwendung lässt die Wirkung allerdings nach, weil immer weniger der „Substanz P“ gebildet und ausgeschüttet wird: Es kommt zu einem Gewöhungseffekt. Näheres kann man bei Wikipedia erfahren: http://de.wikipedia.org/wiki/Substanz_P

      Wir haben früher „Capsaicin“ aus Österreich bezogen, wo es in Apotheken hergestellt wurde. In Deutschland gab es Capsaicin nicht zu kaufen. Wir haben Capsaicin verwendet, um Überempfindlichkeiten der Nasenschleimhaut, die zu einem starken und anhaltenden Naselaufen führen, zu behandeln. Eine Wirkung auf die „Hyperreagibilität“ ist durchaus gegeben. Wir haben dennoch die Therapie wieder verlassen.

      Zur damaligen Zeit war die Capsaicin-Lösung eine in einer österreichischen Apotheke individuell hergestellte Lösung. Es gab keine wissenschaftlichen Studien zu der Substanz – nur Erfahrungen der Anwender (wenn auch überwiegend positive Erfahrungen). Aber ohne Studie und ohne „Pharmaindustrie“ sind wesentliche Haftungsfragen nicht geklärt. Und heute, im Zeitalter der „evidence based medicine“ lassen wir Ärzte besser die Finger vom Capsaicin. – Ich behaupte nicht, dass Capsaicin gefährlich ist. Es ist nur „gefährlich“ für den Arzt, der von Patienten möglicherweise behauptete Nebenwirkungen – seien sie auch noch so abstrus – nicht wissenschaftlich widerlegen kann und dann möglicherweise zur Verantwortung gezogen wird für etwas, das er nicht verursacht hat (Beweislast-Umkehr).

      Das von Ihnen genannte Präparat ist auch kein Medikament, sondern ein „Medizinprodukt“. Bei einer überempfindlichen Nase mag es helfen. Ob damit eine „Nasenspray-Sucht“ beendet werden kann, halte ich für sehr zweifelhaft. Ich selbst verordne die Substanz sei mehr als 20 Jahren nicht mehr. Und ich habe sie seit diesem Entschluss auch nie vermisst in meinem „Portfolio“ an Behandlungsoptionen.

  4. Hallöchen,
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel!

    Ich selber mache gerade die „harte“ Entwöhnung, indem ich einfach gar kein Nasenspray mehr verwende. Jetzt, nach einer Woche, stellen sich auch langsam, aber sicher, die ersten Erfolgszeichen ein. Tagsüber (gerade bei den tiefen Temperaturen) lässt es sich viel besser aushalten als ich gedacht hätte! Nachts wird das Ganze schon schwieriger, aber keinesfalls unmöglich!

    Jedenfalls wollte ich mich für diesen guten Artikel bedanken, denn oft stößt man auf Unverständnis…
    Viel Erfolg an alle, die es weiterhin ohne Nasenspray schaffen wollen!

    • Das kann man leider nicht allgemein und verbindlich sagen; es gibt eine große Variationsbreite. Außerdem berichtet nach dem gewonnenen Kampf kaum ein Patient, wie lange sein Kampf gedauert hat.

      Wäre das nicht mal eine Idee? Wenn man eine Entwöhnung hinter sich hat: Kurze E-Mail an mich mit:

      1. Initialen des Namens
      2. Angabe des Geschlechts
      3. Angabe, wie lange man wie oft Nasenspray genommen hat
      4. Wie lange es nach dem Absetzen gedauert hat, bis die Nase wieder freier ist.

      Ich werde dann nicht jedem Patienten antworten. Aber die Ergebnisse werde ich zusammenstellen. Mal sehen, ob wir nicht eine kleine Statistik erstellen können. Wäre schön! An dieser Stelle schon mal meinen Dank an alle Teilnehmer.

  5. Ich leide seit Wochen unter einer verschlossenen Nase. Wenn ich Nasenspray benutze, bekomme ich bestens Luft, aber nach 8 Stunden ist die Nase wieder „dicht“. Ab heute probiere ich das zweizeitige Absetzen und werde berichten, wie lange es gedauert hat, ein Nasenloch frei zu bekommen ohne Nasenspray. Unterstützend werde ich Nasenspülungen und Rotlicht anwenden. Es wäre doch gelacht, wenn es nicht klappt! Zumindest bin ich nach dem Artikel wieder guter Dinge!

    • Hallo,
      Sie stellen eine Frage zu Ihrer eigenen Gesundheit! Diese Frage kann Ihnen kein Arzt über das Internet beantworten.

      Zunächst mal: Ja. Jeder hat eine Chance. Die Chance ist größer als 0 % und kleiner als 100 %. Nützt Ihnen diese Antwort? Vermutlich nicht, denn Sie wollen ja wissen, ob Sie selbst jemals wieder ohne Nasenspray leben können.

      Also: Bei persönlichen Gesundheitsproblemen gehen Sie bitte persönlich zu einem Arzt – in diesem Fall HNO-Arzt – und lassen sich von ihm persönlich untersuchen und einen Therapievorschlag machen.

      Und an dieser Stelle auch eine Bitte an alle anderen: Wie ich auf der Homepage und im Impressum dargelegt habe, biete ich kein Forum und keinen Chat an. Individuelle Fragen nach der persönlichen Gesundheit kann und werde ich nicht „aus der Ferne“ beantworten. Meine Webseite ersetzt keinen Arztbesuch!

    • Ja auf jeden Fall. Ich habe es nach 20 (!) Jahren auch geschafft, erst mit Meersalz Nasenspray und Wick Inhalierstift. Es hat alles insgesamt ca. 14 Tage gedauert und nun bin ich frei von Nasenspray!

  6. Hallo,

    ich hatte schon immer Probleme, Luft durch die Nase zu bekommen. Nach einem starken Schnupfen habe ich mich durch das Nasenspray so an die freie Nase gewöhnt, dass ich es jetzt durchgehend seit 5 Monaten benutzte. Ist allerdings „nur“ ein Nasenspray für Kinder, da mir alle anderen zu sehr in der Nase brennen. Meine Frage ist, ob und wenn ja welche Schäden eine dauerhafte Anwendung eines solchen „Kindernasensprays“ hat.

    • Hallo,

      Das „Kindernasenspray“ weist lediglich eine geringere Wirkstoff-Konzentration auf als das Nasenspray für Erwachsene. Prinzipiell drohen also die gleichen Schäden.

      Wenn Sie Nasenspray benötigen – unabhängig davon, ob für Erwachsene oder für Kinder – obwohl Sie keinen Infekt haben, dann sollten Sie sich von einem HNO-Arzt untersuchen und beraten lassen.

  7. Hallo,

    gibt es denn nicht trotzdem eine Verbindung zwischen den Nasenlöchern? Wenn ich eine Nasenspülung mit Salzlösung mache, gebe ich ja das Wasser zur einen Seite rein und zum anderen Nasenloch läuft es wieder heraus. Läuft dann das Nasenspray nicht auch zur anderen Seite wieder heraus?

    • Hallo,

      Ja natürlich sind die beiden Nasenlöcher verbunden: die Nasenscheidewand hat eine Hinterkante, die nicht auf der Wirbelsäule liegt. Das heißt: Flüssigkeiten – natürlich auch Luft -, die durch ein Nasenloch in die Nase kommen, müssen erst einmal so weit nach hinten gelangen, wie die Nase und die Nasenscheidewand „tief“ sind – bis zur Hinterkante der Nasenscheidewand. Erst in dieser Tiefe der Nase können die Flüssigkeiten – natürlich auch Luft – die Seiten wechseln. (Auf krankhafte Löchern in der Nasenscheidewand möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen; wenn welche vorliegen, kann es einen „nasalen Kurzschluss“ geben, sodass die Flüssigkeiten – natürlich auch die Luft – die Seiten schon weiter vorn in der Nase wechseln können).

      Aber es macht doch einen Unterschied, ob ich 250 ml Spülwasser in ein Nasenloch laufen lasse oder 0,1 ml Nasenspray, der zudem auch noch fein vernebelt wird! Nasenspray kommt also praktisch nicht zur anderen Nasenseite heraus. Wenn Sie sich aber 250 ml Nasenspray in die Nase laufen ließen, dann würde das Nasenspray natürlich auch zur anderen Seite herauslaufen … Das wären dann aber 25 Flaschen Nasenspray auf einmal; das gibt auf Dauer nicht nur gesundheitliche, sondern auch finanzielle Probleme …

    • Hallo,

      Eine körperliche Abhängigkeit oder ein „Rebound-Effekt“ ist mir nicht bekannt.

      Psychische Abhängigkeiten gehören zu einem anderen Problenkreis… Das große Thema „Sucht“ möchte ich auf meiner HNO-Seite erst gar nicht eröffnen.

  8. Kann man von Nasentropfen, die man zu Nacht nimmt, Schluck und Atembeschwerden bekommen? Ich nehme schon lange Endrine-Tropfen, die ich fast immer nur zur Nacht benötige. Verändern diese die Speiseröhre, Luftröhre oder gar die Bronchien?

    • Hallo,

      Üblicherweise bekommt man die von Ihnen genannten Beschwerden nicht, wenn man nur abends Nasenspray nimmt.

      Sie fragen aber, ob „man“ die genannten Beschwerden „bekommen kann“. Diese Frage ist nicht zu beantworten, denn es würde ja ausreichen, wenn weltweit nur ein einziger Patient diese Beschwerden bekommen hat, damit ich mit „ja“ antworten müsste – und das kann ich nicht wissen.

      Und um die Frage zu beantworten, ob „Sie“ – die Fragestellerin – diese Beschwerden bekommen können oder schon bekommen haben, dazu müssten Sie sich persönlich bei einem Arzt vorstellen und sich mit ihm beraten.

      • Hallo T.M.G.,

        Vielen Dank für Ihren Bericht! Ich wünsche Ihnen einen guten Verlauf Ihrer Schwangerschaft und gesunden Nachwuchs!

        Und wenn nach der Entbindung Ihr Heuschnupfen noch vorhanden sein sollte – was leider anzunehmen ist -, dann gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten! Lesen Sie doch mal meinen Bericht über Allergien.

  9. Ich habe vor ca. 8 Jahren eine Nasensprayabhängigkeit entwickelt, die durch starken Heuschnupfen (Frühjahr bis Herbst) ausgelöst wurde. Ich habe bis zu 5 mal täglich Nasenspray benutzt, meistens gegen Abend und besonders zum Einschlafen.

    Nun bin ich schwanger und habe mich entschieden, für das Baby einen Entzug zu machen. Um den Stress für mich und das Kind nicht auf die Spitze zu treiben, habe ich ein Nasenloch nach dem anderen entwöhnt.

    Das erste Nasenloch hat ganze 4 Wochen benötigt, bis ich mich an das zweite getraut habe. Die Entwöhnung des zweiten ging dann mit 2 Wochen deutlich schneller… Da der Heuschnupfen nicht mit weggegangen ist, werde ich weiterhin mit einer verstopften Nase zu kämpfen haben, aber dann wird auf Hausmittel und Salzwassernasenspray zurückgegriffen!

    Viel Erfolg für alle, die es auch probieren wollen! Ich hoffe, dass ich nicht wieder dieser Abhängigkeit verfalle!
    LG

  10. Hallo,

    Was ich noch nie bei einem der vielen Kommentare gelesen habe ist, dass die Nase bei Bewegung komplett frei wird (Treppesteigen, Gymnastik, …) warum bei Bewegung? Wenn ich zu einem Arzt gehe, bekomme ich eine Rüge wegen meiner Nasentropfen-Abhängigkeit und werde gleich mal nach Hause geschickt um die Nasentropfen abzusetzen, bevor ich mit dem nächsten Satz überhaupt begionnen konnte. Was für Schäden können passieren wenn man die Nasensprays permanent verwendet?

  11. Hallo,
    ich möchte kurz meine eigene Geschichte zu meiner Abhängigkeit von Nasenspray erzählen und wie ich davon weggekommen bin. Ich war 12 Jahre lang „abhängig“. Da ich nach einigen Jahren mit Nasenbluten zu kämpfen hatte, bin ich nach vergeblicher Versuchen, davon weg zu kommen, auf ein Kombi-Spray mit Dexpanthenol umgestiegen. Daraufhin hat ist das Bluten nicht mehr aufgetreten. Ich benutzte das Nasenspray ca. 5 bis 6 mal täglich. Aufgrund einer Ohrenentzündung bin ich vor 2 Monaten zum HNO gegangen. Der Arzt war sehr gründlich und schaute auch in die Nase. Natürlich fiel ihm die gereizte Nasenschleimhaut auf und er sprach mich darauf an, worauf ich ihm meine „Sucht“ gestandt. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich dafür geschämt und bin deshalb nie zum Arzt deswegen. Alle Versuche, davon los zu kommen, waren gescheitert (ich habe wirklich alles ausporbiert, was ohne ärztliche Hilfe möglich ist). Schließlich meinte er, dass ich 1. eine zu große Nasenmuschel hätte und 2. Heuschnupfen, der mir selber aufgrund des jahrelangen Nasenspraygebrauchs nicht aufgefallen ist. Nun habe ich eine Nasenmuschelverkleinerung hinter mir und siehe da – ich benötige kein Spray mehr. Die Nase ist einfach frei. Deshalb mein Fazit und guter Rat an alle, die abhängig sind: Geht zum Arzt! Wenn eigene Versuche, davon los zu kommen, scheitern, müssen zumindest alle anderen Ursachen abgeklärt und evtl. ausgeschlossen werden. Ich bereue, dass ich nicht viel früher zum HNO gegangen bin.

  12. Hallo Herr Dr. Vahle,

    vielen herzlichen Dank für Ihre aufschlussreichen Ausführungen zum Thema Nasenspray. Endlich fühle ich mich richtig informiert und kann mein Problem mit großer Hoffnung auf Erfolg angehen. Ich benutze auch schon ewig Nasenspray, angefangen mit einer starken Erkältung und der Erklärung einer Ärztin, man müsse nur darauf achten, dass die Nase immer frei bleibe, dann gehe es einem schnell besser… – Und schwupp – rutschte auch ich in diesen Strudel. Das ist sicher schon 15 Jahre her. Zwischendurch kam ich immer wieder davon los, aber schon beim nächsten heftigen Infekt griff ich wieder zum Spray. Inzwischen kam noch ein Heuschnupfen dazu von heute auf morgen und nun gehe ich zum HNO (auch ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich es begrüßen würde, Sie näher an meinem Wohnort zu wissen!). Nun wird ein Allergietest durchgeführt. Ob das viel bringt, werde ich sehen, zumal die geschwollene Nase immer schlimmer wird, z.T. ist sie komplett „dicht“ für Tage.

    Ich wünsche allen Betroffenen viel Erfolg beim „Weglassen“… Ich gehe das Problem jetzt erneut an.

    Freundliche Grüße vom Bodensee
    K. Wegner

  13. Hallo, auch ich benötige seit ca. 1 Jahr mehrmals täglich Nasenspray. Mein Allgemeinarzt meinte, ich solle nun Nasenspray für Kinder nehmen, danach Nasenspray für Säuglinge, um mich langsam zu entwöhnen. Kann das funktionieren?

    • Das ist schwer zu sagen. In den USA gibt es überhaupt nur eine Konzentration von 0,05 % – also halb so stark wie bei uns das Nasenspray für Erwachsene. Die Konzentration für Säuglinge beträgt 0,025 %.

      Sie müssen sich bei der Entwöhnung beobachten: Vermutlich werden Sie bei der geringeren Dosierung häufiger zur Flasche greifen – und dann hilft die Prozedur nicht.

      Bei Problemen ist ein Gang zum HNO-Arzt fällig.

  14. Hallo Herr Doktor !

    Zunächst möchte ich mich für die ausführlichen – und vorallem – leicht verständlichen Informationen und Erklärungen auf Ihrer Website bedanken !

    Leider „hänge“ ich seit knapp 1 Jahr auch an der Flasche; sprich Nasenspray! Das macht mir Sorgen. Ich war bereits in einer HNO-Uniklinik, die mir bestätigt habt, dass mit meiner Nase alles i. O. ist und auch keine Nasenverkrümmung o. ä.vorliegt.

    Ihr Bericht hier gibt mir Hoffnung. Allerdings stellt sich für mich die Frage, warum ich – wenn ich eine geschlossene Nase habe – immer einen starken Druck auf den Ohren habe. Sicher, Sie können und wollen (verständlicherweise) hier kein ärztliche Beratung für Forumschreiber abgeben. Aber eventuell gibt es ja eine Erklärung dazu, die vielleicht auch einige andere Leser interessieren wird. Und mich natürlich auch!

    Herzlichen Dank und beste Grüße von Ibiza, meiner Heimatinsel

    Oliver S.

    • Hallo nach Ibiza!

      Das Fach HNO – Hals-Nase-Ohren – heißt nicht umsonst so. Es gibt Verbindungswege – „Röhren“ – die für den Luftaustausch und die Belüftung der Nasennebenhöhlen und der Ohren sorgen. Eine berühmte Verbindung ist die „Eustachische Röhre“, die Luft in das Mittelohr leitet.

      Bei Engstellen im Naseninneren kann es zu Druckdifferenzen kommen, die dann auch im Mittelohr zu spüren sein können.

      Es kann natürlich auch sein, dass Ihr Ohrdruck nichts mit der Nasenbelüftung zu tun hat, sondern vielleicht eigenständig ist, vielleicht auf einer zu engen Eustachischen Röhre beruht, vielleicht auf eine unentdeckte chronische Entzündung in den Mittelohren und Warzenfortsatzräumen.

      Sie sehen – wir können hier trefflich spekulieren, ohne zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Mein Rat ist: Gehen Sie noch einmal zum HNO-Arzt und tragen Sie ihm Ihre Beschwerden vor. Und manchmal ist vielleicht ein erfahrener HNO-Arzt in der Praxis besser geeignet als die Ambulanz einer Uniklinik… Lassen Sie sich erklären, worin Ihr HNO-Arzt die Ursache Ihres Problems sieht. Und auch, wenn Sie kein Mediziner sind, werden Sie entscheiden können, ob die Ausführungen des HNO-Arztes plausibel sind oder nicht.

      Mit freundlichen Grüße
      Dr. Vahle

  15. Hallo!
    Ich habe auch 6 Monate „on and off“ eine Nasenspraysucht gehabt.

    Ich habe dann meinen Kampf gegen das Spray begonnen. Am ersten Tag habe ich gar kein Spray benutzt, aber das war eine Tortur. Ich habe mich deshalb entschieden (wie mein Arzt mir empfohlen hat), nur eine Seite zu sprayen und dafür ein Kinderspray ausgewählt (wie der Apotheker mir empfohlen hat), damit die Entwöhnung leichter und schneller wird. Ich gebe zu, dass die ersten 10 Tage schwierig waren und ich manchmal beim Schlafen durch den Mund atmen musste. Nach 10 Tagen habe ich mich viel wohler gefühlt.

    Außerdem nutzte ich auch ein vom Arzt verschriebenes Kortisonspray für 1-2 Wochen. Das Kortisonspray macht nicht süchtig.

    Heute – nach 4 Wochen ohne Nasenspray – kann ich problemlos atmen. Nur manchmal gibt es beim Schlafen mal einseitige Problem, aber ich habe mich daran gewöhnt und drehe mich auf die andere Seite.

    Ich wollte hier über diesen Erfolg unbedingt schreiben, weil es mir während den ersten Tagen und der erste Woche ohne Nasenspray extrem schwer gefallen ist, meine Hoffnung nicht zu verlieren. Ich habe aber über die Ergebnisse gelesen und bin mutiger geworden. Für mich waren nur die ersten 10 Tagwn schwierig – danach hat sich alles normalisiert. Und vor allem muss ich mir keine Gedanken mehr machen über das Nasenspray (Habe ich Nasenspray bei mir? Brauche ich eine Apotheke am Sonntag? Ich brauche unbedingt Spray!)! Alle diese Sorgen sind weg: Ich werde nie wieder anfangen!

    Anmerkung Vahle: Ich habe zum Schutz der Privatspähre den Bericht um die Angaben zur persönlichen Krankengeschichte gekürzt.

  16. Diese Webseite ist eine super Ergänzung zu einem HNO-Arztbesuch. Herzlichen Dank für Ihre Mühe und Zeit, die Sie dafür aufwenden. Liebe Grüsse aus der Schweiz

  17. Tolle Seite und endlich habe auch ich mal einen Ansatz, um von meiner „Sucht“ wegzukommen. Ich habe bereits gestern probiert, die harte Tour zu fahren. Also, kein Nasenspray. Aber das klappte nicht. Beide Nasenlöcher sind komplett verschlossen und das ist kaum auszuhalten, da ich duch den Mund atmen muss. Nun beginne ich ab heute, nur noch in eine Seite Nasenspray zu sprühen. Seit ca. 7 Jahren benutze ich täglich Nasenspray für Erwachsene. Allerdings reduziere ich es mit Wasser auf ca. 1 Drittel bzw. 1 Viertel der normalen Dosis für Erwachsene. Borkenbildung habe ich keine, jedoch vor ein paar Tagen im Netz gelesen, dass man eine sogennannte „Stinknase“ bekommen kann. … Können Sie zum Thema „Stinknase“ etwas sagen?

    Herzliche Grüße aus Kassel sendet Peter S.

  18. Vielen lieben Dank für den tollen Artikel!
    Ich selbst war jahrelang „abhängig“. Habe dann aber wirklich von heute auf morgen aufgehört. Es war nicht einfach aber ich habe es geschafft!

    Leider habe ich bei jedem grippalen Infekt wieder dasselbe Problem – ohne Schnupfenspray halte ich es nicht aus. Schon nach der ersten „Ladung“ bin ich quasi wieder abhängig.
    gibt es bei Schnupfen gute Alternativen, die die Nasenschleimhaut auch abschwellen lassen, aber nicht gleich abhängig machen? Oder ist der Rebound bei allen gefäßverängenden Medikamente gegeben?

    • Hallo,

      Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Abgewöhnung! Und Danke auch für den Erfahrungsbericht.

      Bei einem Schnupfen ist es allerdings schon wichtig, dass die Abflusswege aus den Nasennebenhöhlen frei sind. Und dass auch die Nase frei genug ist, um die Sekrete herauszubringen. Deshalb empfehle ich bei einem Infekt immer, Nasenspray zu nehmen.

      Wenn Sie auch nach einer Schnupfenbehandlung mit Nasenspray sofort wieder „süchtig“ werden, dann sollten Sie sich beim HNO-Arzt vorstellen. Manchmal gibt es auch chirurgische Behandlungsmethoden!

      Neben dem lokal anzuwendenden „richtigen“ – abschwellenden – Nasenspray gibt es noch die Möglichkeit, lokal mit einem Cortisonspray entzündungshemmend zu behandeln oder mit einer hypertonen Salzlösung (über das sog. „osmotische Gefälle“) Wasser aus der Schleimhaut zu „saugen“, was ebenfalls eine – milde – Abschwellung bewirkt. Und es gibt die Möglichkeit, systemisch, also mit Tabletten, eine Abschwellung zu bewirken.

      Über den „Rebound-Effekt“ sind mir keine Studien bekannt. Aber ich gehe davon aus, dass alle Medikamente, die eine Abschwellung über den Mechanismus der Engstellung der Blutgefäße bewirken, einen Rebound-Effekt haben – müssen. Warum? Über den Blutstrom gelangen Nährstoffe in die Schleimhaut. Nach einer längeren Engstellung der Gefäße entwickelt sich ein Nährstoffmangel in der Schleimhaut. Wenn die Engstellung der Gefäße beendet ist, dann sorgt anschließend ein sofortiger verstärkter Einstrom von Blut dafür, dass der Nährstoffmangel sehr schnell ausgeglichen wird.

      Machen Sie mal ein kleines Experiment: Halten Sie mal 60 Sekunden die Luft an. Atmen Sie danach genauso ruhig weiter wie vor dem Experiment? Oder schnappen Sie anschließend ein paarmal heftig und schnell nach Luft? – Das ist ein „Rebound-Effekt“.

      Von Medikamenten, die ohne Engstellung der Blutgefäße auskommen (Cortisonspray, hyperbare Salzlösung), ist ein Rebound-Effekt nicht bekannt.

      Ich empfehle Ihnen auch die „geschwisterlichen“ Blogbeiträge:
      http://www.hno-vahle.de/nasenspray-gefaehrlicher-als-cocain/
      http://www.hno-vahle.de/die-nase-spuelen-das-soll-helfen/

  19. Hallo Zusammen,
    auch ich wollte ich Euch mitteilen, wie ich es geschafft habe. Nach 5 Jahren Nasenspraysucht wollte ich eigentlich mit dem Entzug beginnen, indem ich erst mal nur ein Nasenloch von der Sucht befreien wollte. Anschließend wollte ich auf Kindernasenspray umstellen. Dann habe ich irgendwo gelesen, dass es schleimhautabschwellende Kapseln zum Einnehmen gibt, die auch die Nase befreien. Zufällig hatte ich diese noch von der letzten Erkältung zuhause. Also entschied ich mich für die harte Variante. Und siehe da, mit Meerwassernasenspray und 3 x 1 Kapsel täglich bekam ich sogar in der ersten Nacht schon etwas Luft. In der 2. Nacht konnte ich sogar schon 4 Stunden am Stück schlafen. Am 3. Tag habe ich nur noch eine Kapsel nachts genommen und dann hatte ich es geschafft! Und es war gar nicht so schlimm. Aber Achtung! Packungsbeilage bitte gut durchlesen, das Medikament kann ziemliche Nebenwirkungen haben. Ich hatte allerdings nichts davon.

    • Hallo Stephanie,
      Vielen Dank für Deinen ermutigenden Erfahrungsbericht.

      Den Präparatenamen habe ich allerdings herausgelöscht: Ich möchte meine Seite gern werbefrei halten. Und außerdem weiß ich nicht, ob nicht vielleicht juristische Verwicklungen drohen, wenn ich Präparatenamen ungefragt in Blogbeiträgen nenne.

  20. Hallo!
    Ich leide seit circa 6 Jahren an einer Nasentropfen-Sucht, jedoch nur abends, wenn ich mich ins Bett lege und einschlafen will. Meine Nase geht dann zu und ich kann nicht mehr frei atmen. Eine Allergie schließe ich aus.
    Woran könnte es liegen, dass ich den ganzen Tag über gar keine Probleme habe und diese nur auftreten, sobald ich mich ins Bett lege?

    Ich werde jetzt versuchen, mir nacheinander beide Nasenlöcher zu entwöhnen.
    Liebe Grüße!

    • Hallo Michelle,
      Wenn die Nase nur im Liegen zuschwillt und nicht im Stehen, dann hängt das mit dem sogenannten „hydrostatischen“ Druck zusammen. Der Blutdruck im Gewebe wird hauptsächlich von der Pumpkraft des Herzens bestimmt: Das ist der hydrodynamische Druck. Andererseits spielt aber auch das Gewicht des Blutes bzw. der Blutsäule eine Rolle. Wenn man steht, dann ist in der unteren Körperhälfte der Blutdruck höher als in der oberen Körperhälfte (z. B. im Kopf). Das ist genauso wie bei einem Stausee: Die Staumauer muss wegen des Gewichts des Wassers unten dicker sein. Wenn wir uns hinlegen, dann muss das Blut nicht mehr entgegen der Schwerkraft in den Kopf aufsteigen – es fließt leicht auf einer Ebene vom Herzen zum Kopf. Der Blutdruck in der Nasenschleimhaut ist dann höher. Und dann kann die Nase dabei auch zuschwellen.

      Bei allen Problemen empfehle ich immer auch eine Vorstellung beim HNO-Arzt. Eine Untersuchung ist durch eine Interneterklärung nicht zu ersetzen.

      Herzliche Grüße
      Dr. Vahle

  21. Hallo, gibt es einen Zusammenhang zwischen jahrelangem Nasenspray-Gebrauch und Schäden am Hypothalamus / Hypophyse – z. B. dass durch den Gebrauch die Hypophyse / Hypothalamus schrumpft oder nicht mehr richtig arbeitet? Im Beipackzettel der Nasensprays steht ja, dass Vorsicht geboten ist bei Überfunktion der Schilddrüse bzw Nebennierenkrankheiten. Leider findet man keine Informationen, warum Vorsicht geboten ist bzw. ob das Hormonsystem dauerhaft Schaden nimmt z. B. durch Fehlfunktion, Schrumpfung o. ä.. Wird diesbezüglich geforscht?

    • Hallo,

      Vorsicht ist geboten aus Gründen, die ich im Artikel genannt habe: Nasenspray stellt die Blutgefäße eng. Das kann zu einer Mangelversorgung des Gewebes führen.

      Bei bestimmten Hormonstörungen gibt man die fehlenden Hormone in Form von Nasenspray. Dieses Hormon-Nasenspray darf nicht verwechselt werden mit dem normalen „Erkältungs“-Nasenspray, um das es im Artikel geht.

      Eingriffe in den Hormonhaushalt darf man nur unter ärztlicher Begleitung durchführen. Hormone sind verschreibungspflichtig.

      Bezüglich der Hormonbehandlungen wird selbstverständlich geforscht. Eine Beforschung von „Erkältungs“-Nasenspray ist wahrscheinlich nicht vorgesehen. Literatur habe ich nicht gefunden. Bei den „kleinen Preisen“ des „Erkältungs“-Nasensprays ist auch nicht damit zu rechnen, dass Firmen viel Geld in Forschung investieren. Eine diesbezügliche Forschung kann sich wirtschaftlich nicht rentieren.

  22. Ich habe sechs Jahre mehrmals täglich und nachts Nasenspray verwendet. Jetzt durch meine Diät (kohlenhydratarme Diät), die kein Getreide mehr enthält, konnte ich von heute auf morgen das Nasenspray ohne Schwierigkeiten absetzen. Bei einem Allergietest zeigte sich keine Allergie. Was seither aber neu ist: ich habe zur selben Zeit starke Herzrhythmusstörung mit Vorhofflimmern bekommen. Ich nehme jetzt Betablocker. Ich habe gelesen, dass eine Nasensprayanwendung Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Können Sie sich vorstellen, dass das auch durch das plötzliche Weglassen kommen könnte?

    • Herzlich Willkommen,

      Ihre Herzprobleme sollten Sie vom Arzt untersuchen und behandeln lassen.

      Es stehen viele mögliche Nebenwirkungen von Nasenspray in den Beipackzetteln. Man muss aber wissen, dass es für die Hersteller rechtlich viel sicherer ist, lieber eine Nebenwirkung zu viel aufzuführen (auch, wenn sie absolut selten ist) als eine zu wenig.

      In Ihrem Fall wäre die Situation ja so, dass Sie ein Herzrhythmusstörung haben müssten, die durch die Nebenwirkung des Nasenspray gerade ganz genau behoben worden und durch das Absetzen von Nasenspray wieder zurückgekehrt ist. Das ist jedoch äußerst unwahrscheinlich.

  23. Hallo zusammen.

    Ich hatte bereits Anfang März gepostet, dass ich seit mehr als 7 Jahren über den ganzen Tag verteilt – auch nachts – Nasenspray nehme. Nun habe ich 5 Monate lang die zweizeitige Entwöhnung durchgezogen. Und ich kann mit Stolz sagen, dass es funktioniert hat. Seit 5 Wochen nehme ich gar kein Nasenspray mehr und ich habe kein Verlangen mehr danach. Nur auf der linken Seite merke ich noch manchmal, dass ich nicht ganz so gut Luft bekomme. Es war anfangs sehr sehr hart und es bedarf eines starken Willens. Aber es hat funktioniert. Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen, es auch zu probieren. Es ist eine ganz andere Lebensqualität ohne Nasenspray und das ständige Darandenken, ob man genug Spray dabei hat und wann man es wieder nehmen muss. Es dauert seine Zeit, aber es funktioniert.

    Danke an Dr. Vahle für diese Seite. Ohne diese hätte ich es nie probiert.

  24. Ich habe nun nach 6 Monaten Schwangerschaftsschnupfen und heftigem Nasenspraygebrauch meinen Konsum schrittweise verringert, bin für Notfälle auf ein kortisonhaltiges Spray umgestiegen und habe letzte Nacht (2,5 Wochen nach der Kaiserschnittentbindung) zum ersten Mal seit langem auf das abschwellende Spray verzichten können. Was den Entzug besonders erschwerte, war das ständige Kribbeln und Brennen der angegriffenen Schleimhäute. Hier hat mir letzte Nacht der Einsatz von Paracetamol 500 geholfen: gleich nach der Einnahme hörte das Kribbeln auf, die Nase blieb offen und ich konnte schlafen. Noch brauche das Paracetamol sowieso auch wegen der Kaiserschnittnarbe, ich hoffe, dass ich es ebenfalls bald absetzen kann.

    Schon mal gehört, dass Schmerzmittel bei der Entwöhnung helfen? Bisher war mir nicht bekannt, dass Paracetamol auch abschwellend wirken kann …

    • Herzlichen Dank für Ihren Bericht!

      Ja, Schmerzmittel wirken – je nach Substanzklasse unterschiedlich stark – auch abschwellend und entzündungshemmend. Und da ein Juckreiz im Prinzip ein unterschwelliger Schmerzreiz ist, kann man den nasalen Juckreiz in einer Infektphase auch mit einem Schmerzmittel lindern. Eine „Dauerlösung“ kann das aber nicht sein. Insbesondere auch Parazetamol ist bei längerer Anwendung oder höherer Dosierung leberschädlich.

  25. Bei der Nasensprayentwöhnung hat mir zuletzt auch Koffein (in Form zweier Cappuccini pro Tag) geholfen: anscheinend wird durch die sanfte gefässverengende Wirkung das Durchatmen erleichtert, auch der Schleim ist nicht mehr so zäh und kann leichter abfließen. Paracetamol brauche ich dann nur noch für die Nacht.

    • Herzlichen Dank für Ihren Erfahrungsbericht!

      Der wissenschaftlichen Korrektheit geschuldet, muss ich allerdings darauf hinweisen, dass sich Ihre Erfahrung nicht unbedingt verallgemeinern lässt. Und aus dem nahen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Trinken eines Cappuccinos und der freieren Nasenatmung darf leider auch nicht zwingend auf einen Kausalzusammenhang geschlossen werden. Aber wenn man man Kaffe und Cappuccino verträgt, kann man es ja auf einen Versuch ankommen lassen.

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