Lasertonsillektomie (Mandeloperation mit dem Laser)

Warum wir diese Operation nicht durchführen:

Laserstrahl

Die moderne Lasertechnik hat sich inzwischen in der Medizin etabliert und hat phantastische neue Operationsmöglichkeiten geschaffen. Es gibt Operationen, die man ohne Laser gar nicht durchführen kann und die es vorher gar nicht gab. Dagegen sind wir nicht!

Aber:
Die Entfernung der Mandeln mit dem Laser wird bei den Patienten immer beliebter. Zunehmend fragen die Patienten nach der Laseranwendung bei der Mandeloperation. Was sagt die Medizin dazu?

Es müssen zwei Fälle unterschieden werden: erstens die Mandelverkleinerung und zweitens die Mandelentfernung. Die Mandelverkleinerung ist nur mit dem Laser oder anderen modernen, elektrochirurgischen Verfahren möglich. Sie ist aber nur sinnvoll, wenn die Mandeln nicht chronisch entzündet sind! Große Mandeln kann man verkleinern. Kranke Mandeln kann man durch die Verkleinerung nicht gesund machen! Wenn die großen Mandeln Infektionsquellen sind, sind es die verkleinerten Mandeln auch.

Die Mandelverkleinerung mit dem Laser ist also überhaupt nur bei großen Mandeln erlaubt. Das ist nur in einem kleinen Teil der Fälle so. Alle anderen Patienten müssen die Mandeln operieren lassen, weil die Mandeln krank sind. Aber ist das, was technisch möglich ist, auch sinnvoll? Ist es sinnvoll, Infektionsquellen zu halbieren, nur weil man es kann?

Die Mandelverkleinerungsoperation mit dem Laser ist vor einigen Jahren enthusiastisch eingeführt worden. Inzwischen gibt es zunehmend HNO-Kliniken, die diese Laser-OP nicht mehr anbieten – obwohl der Laser einsatzbereit im Operationssaal steht! Offensichtlich gibt es schlechte Erfahrungen mit dieser OP-Technik. Ich jedenfalls nutze die Erfahrungen der Kliniken und verzichte zum Vorteil der Patienten auf den Lasereinsatz.

Operationssonde für die Coblation-Tonsillotomie

Wenn wir die Mandeln verkleinern – weil es sich um gesunde Mandeln handelt, die lediglich zu groß sind! – dann benutzen wir die Coblationstechnik. Sie bietet Vorteile gegenüber der Laseroperation.

Und was ist mit dem Lasereinsatz bei der vollständigen Mandelentfernung? Wenn es sich um kranke Mandeln handelt?

Der Laser ist lediglich ein „heißes Skalpell“. Die Blutungsneigung während der Operation ist geringfügig herabgesetzt. Die Operationsdauer ist unter Berücksichtigung der „Rüstzeiten“ sogar etwas verlängert. Die Blutungsgefahr nach der Operation ist aber höher als bei der konventionellen Operation ohne Laser und höher als bei der Operation mit Coblationstechnik.

Die Wundschmerzen nach der Operation sind größer als nach einer Operation ohne Laser: schließlich hinterlässt der Laser eine Brandwunde im Hals! Nicht zuletzt ist auch die Heilungsdauer der Brandwunde nach der Laseroperation etwas verlängert.

Laser: Ein unendlich langes, sehr heißes Messer!

Der Laserstrahl ist ein „unendlich langes Messer“ – da können auch unbeabsichtigte Brandverletzungen im tiefen Hals vorkommen. Und wenn der Laser auf den Beatmungstubus trifft, durch den der Patient Sauerstoff bekommt, dann ist es möglich, dass der Tubus sich entzündet und die Flammen in die Lunge geraten. Dieses Risiko ist – zugegebenermaßen – nicht sehr hoch. Aber mir ist es zu hoch!

Wenn der Lasereinsatz bei der Mandeloperation zu einem höheren Verletzungs- und Nachblutungsrisiko führt, die Wundheilung verlängert ist und die Wundschmerzen nach der OP größer sind: dann hat der Laser keinen Platz bei einer Mandeloperation. Die meisten Universitätskliniken führen Mandeloperationen – obwohl ein Laser vorhanden ist – vollkommen ohne Laser durch. Und das hat seinen guten Grund! Lassen Sie sich also nicht von einem Modetrend beeinflussen! Sparen Sie sich die Zusatzausgabe für die Benutzung des Lasers! Nicht alles, was modern ist, ist auch sinnvoll.

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