Homöopathie in Kürze

Was ist eigentlich „Homöopathie“?
Die klassische Homöopathie nach Hahnemann führt „Arzneiprüfungen“ durch: Die Testperson („Arzneiprüfer“) nimmt eine Substanz ein und beobachtet sich auf Veränderungen – sozusagen „Vergiftungserscheinungen“. Die „Summe“ der Erscheinungen wird als „Arzneibild“ in einem Buch („Repertorium“, „Pharmakopoe“) notiert. Nach Hahnemanns Gesetz „Similia similibus currentur“ (Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt) sucht man für Patienten im Repertorium die Substanz aus, für die ein dem Krankheitsbild ähnliches Arzneibild beschrieben ist. Diese Substanz wird dann verdünnt und „potenziert“ (die neue Verdünnung muss zehnmal auf ein in Leder gebundenes Buch geschlagen werden, damit die geistartigen Kräfte aus der Substanz in die Lösung gehen). Diese Prozedur wird viele Male wiederholt – bei den „D“-Verdünnungen im Verhältnis 1 : 10 und bei den „C“-Verdünnungen 1 : 100. Die Zahl der wiederholten Verdünnungen mit Potenzierungen wird hinter dem „D“ oder „C“ angegeben (Die Zahl hinter einem „D“ gibt also die Zahl der Nullen an und die Zahl hinter einem „C“ die Zahl der Doppelnullen).  Zur Herstellung der Kügelchen („Globuli“) wird das auf diese Weise hergestellt Homöopathikum auf Zuckerkügelchen gesprüht und die Verdunstung der Lösung = Trocknung der Globuli abgewartet. – Zum Krankheitsbild = Arzneibild gehören nicht nur körperliche Symptome, sondern auch seelische, psychische, emotionale Symptome und konstitutionelle Faktoren.

Das von Hahnemann erfundene Krankheits- und Therapiemodell „Homöopathie“ ist älter als die moderne Wissenschaft. Mit dem heutigen wissenschaftlichen Weltbild lässt sich Homöopathie nicht vereinbaren.

Die Fakten:
Warum Globuli nicht wirken:

1. Das Ähnlichkeitsprinzip funktioniert nicht.
Ähnlichkeit ist eine menschliche Denk- und Sichtweise. Ähnlichkeiten kennt die Natur nicht. Was für Menschen ähnlich ist, ist noch lange kein Heilprinzip. Auch Analogieschlüsse sind kein naturwissenschaftliches Kriterium.

2. Arzneiprüfungen sind Humbug.
Arzneiprüfungen werden nicht standadisiert durchgeführt. Kranke Arzneiprüfer kommen zu anderen Ergebnissen als gesunde Arzneiprüfer. Die Interessenlage der Arzneiprüfer spielt eine Rolle. Die eingeschränkte Reaktionsfähigkeit von Geweben spielt eine Rolle.

3. Die Verdünnungen sind zu hoch.
Copyright: Fotolia - Benjamin GoetteEine Wirksamkeit ist unmöglich, wenn keine Substanz mehr vorhanden ist. Moleküle sind einzelne Gebilde. Man kann sie nicht beliebig verdünnen. Wenn nur noch 1 Molekül in der Lösung ist, dann ist nach der nächsten Verdünnung kein Molekül mehr in der Lösung – wenn doch, hat eine Verdünnung nicht stattgefunden. Die „Verschwinde-Grenze“ der Substanzen hängt mit einer Naturkonstanten zusammen („Avogadro-Konstante“ oder auch „Loschmidt’sche Zahl“) und liegt bei D23 (1 : 10 hoch 23 = 1 : Einhunderttrillionen). In der Homöopathie werden üblicherweise viel höhere Verdünnungen angewendet: C30 (= D60) oder C200 (= D400).

 

 

4. Potenzieren von Stoffen funktioniert nicht.
Dass ein 200 Jahre altes Ritual, das nur Werkzeuge verwendet, die damals bekannt waren, in der Lage sein soll, irgendwelche Geistwirkungen von der Materie zu trennen, ist eine bloße Behauptung, die aus wissenschaftlicher Sicht unmöglich ist.

5. Wasser kann keine Informationen speichern.
In Wasser kann man nicht schreiben. Wenn man es trotzdem tut, kann man das Geschriebene nicht lesen. Die Idee von „Molekülclustern“ hilft nicht weiter: Die entscheidenden Wasserstoffbrückenbindungen ändern sich in jeder Sekunde 1 Billion mal. Auch die Quantenphysik hilft nicht weiter. Wo nichts ist, kann nichts wirken.

6. Trennung von Wirkung und Nebenwirkungen ist nicht möglich.
Es ist nicht erklärbar, dass von einem Substanzgemisch nur die wirksame Substanz potenziert wird, alle anderen unwirksamen Störsubstanzen aber nicht. Es ist auch nicht erklärbar, dass von der wirksamen Substanz nur die von Menschen erwünschte Wirkung potenziert wird, die von Menschen unerwünschte Nebenwirkung aber nicht. Wie sollen Substanzen wissen, was wir wollen?

7. Trennung von Urtinktur und Verunreinigung ist nicht möglich.
Es ist nicht erklärbar, dass von einem Substanzgemisch nur die Substanz aus der Urtinktur potenziert wird, nicht aber die Verunreinigungen im Lösungsmittel. Beispielsweise ist Arsen im Trinkwasser erlaubt, wenn der Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter nicht überschritten wird. Dieser Grenzwert entspricht einer Potenz von D8. Es ist nicht möglich, höhere Potenzen als D8 von Arsen herzustellen, da mit dem Lösungsmittel immer wieder Arsen der Potenz D8 zugeführt wird. Es ist nicht möglich, dass das Potenzierungsritual selektiv das Arsen der Urtinktur potenziert, nicht aber das Arsen aus der Verdünnungslösung.

8. Homöopathie ist grundsätzlich nicht geeignet, Mangelkrankheiten zu heilen.
Wenn dem Körper Substanzen fehlen, dann muss man die Substanz in der erforderlichen Dosis zuführen und nicht in einer homöopathischen Dosis.

9. Homöopathie ist grundsätzlich nicht geeignet, Vergiftungen zu heilen.
Wenn der Körper mit einer Überdosierung einer giftigen Substanz belastet ist, dann führt jede zusätzliche Gabe des Giftes zu einer zusätzlichen Belastung. Eine Entlastung durch zusätzliche Giftdosen ist nicht möglich.

10. „Ganzheitlichkeit“ ist nicht zu erreichen.
Niemand ist in der Lage, alle Aspekte und alle Einzelheiten eines Menschen zu erfassen.

11. Phantasievolle, aber abstruse Erklärungsmodelle.
Die der Homöopathie zugrunde liegenden Krankheitsmodelle sind vor dem wissenschaftlichen Zeitalter entstanden. Postulierte Kräfte wie „Lebenskraft“, „Lebensenergie“, „Miasmen“, „Nosoden“ sind nicht-existente Phantasiegebilde. Die tatsächlichen Krankheitsursachen wie Bakterien, Viren, Pilze, krebserregende Stoffe, Gifte oder Mangelerscheinungen (Hormonmangel, Vitaminmangel, Mangel an Mineralstoffen) waren Hahnemann nicht bekannt und sind deshalb in der Homöopathielehre nicht bekannt.

12. Auch zukünftige Generationen von Wissenschaftlern werden keine Wirkungsweise finden können.
Wenn wir lediglich unwissend wären, könnten Homöopathen auf zukünftige Erkenntnisse hoffen. Aber wir sind nicht unwissend, sondern wissend. Dieses Wissen steht im Widerspruch zur Homöopathie und widerlegt sie. Was heute bereits widerlegt ist, kann morgen nicht für „bewiesen“ erklärt werden.

 

Warum Homöopathie wirkt:

1. Placebo-Effekt.
Der Placebo-Effekt hat nichts mit dem persönlichen Glauben zu tun. Er kommt bei allen Menschen vor – auch bei Skeptikern. Auch bei Tieren und Neugeborenen ist der Placebo-Effekt nachweisbar. – Der Placebo-Effekt ist nicht zu verhindern und nicht zu unterbieten!

2. Falsche Schlussfolgerungen.
Im Laufe der Evolution haben Lebewesen einen Überlebensvorteil, wenn sie in der Lage sind, schnell Muster zu erkennen oder schnell Zusammenhänge herzustellen. Selbst, wenn sich später herausstellen sollte, dass diese Muster nicht existieren oder die Zusammenhänge falsch sind, bleibt der Überlebensvorteil. Aus diesem Grunde vermuten wir auch heute noch sehr schnell Kausalzusammenhänge, wo tatsächlich keine vorliegen. Die Homöopathie profitiert davon.

3. Selektive Wahrnehmung und Bestätigungsfehler.
Wir entwickeln eine Theorie und versuchen diese Theorie zu überprüfen. Dabei fallen uns nur Fakten auf, die zur Theorie passen. Die Fakten, die nicht zur Theorie passen, ignorieren („Bestätigungsfehler“, „Confirmation bias“) oder vergessen („Selektive Wahrnehmung“) wir. Für die Homöopathie heißt das: Jede Besserung nach Homöopathie „beweist“ die Homöopatie. Jeder Fehlschlag nach Homöopathie wird ignoriert oder vergessen und kann sie deshalb nicht widerlegen.

4. Wunschdenken.
Das Wunschdenken spielt mit der selektiven Wahrnehmung zusammen. Wer möchte, dass die Homöopathie wirkt, erlebt höhere Erfolgsquoten als jemand, der das nicht möchte, oder den die Wirkung von Homöopathie nicht interessiert.

5. Spontanheilung.
Viele Krankheiten heilen spontan aus. Gern wird behauptet „Wer heilt, hat Recht“. Tatsächlich ist aber jemand, der bei einer Spontanheilung anwesend ist, kein Heiler. Wenn die einzige Leistung darin besteht, eine Spontanheilung nicht zu verhindern, dann ist man kein Heiler.

6. Regression zur Mitte.
Krankheiten werden mFoto: Dr. Wolfgang Vahleal schlechter, mal besser (wie Aktienkurse). Medikamente nimmt man immer dann, wenn es einem schlechter geht. Dass nach der schlechten Phase wieder eine gute Phase kommt, muss gar nicht auf die Medikamente zurückzuführen sein: Es kann sich auch um den vollkommen natürlichen Spontanverlauf handeln.

 

 

7. Eigenartige – und geniale! – Definition von „Erfolg“.
Homöopathen verbuchen einen Erfolg bei gebesserten Beschwerden, bei unveränderten Beschwerden („Nachhaltigkeit“) und bei verschlechterten Beschwerden („Erstverschlimmerung“). Unabhängig davon was passiert: Es kann nur eine der 3 Möglichkeiten eintreten – und damit immer ein Erfolg.

8. Immunisierung der Homöopathie gegen Misserfolg.
Die Homöopathie stellt Regeln auf, deren Einhaltung fast unmöglich ist und die bei Nichteinhaltung einen Misserfolg verursachen können – aber nicht müssen. Misserfolge können auf Kaffeegenuss, auf minzhaltige Nahrungsmittel (oder Getränke oder Zahnpasta) zurückgeführt werden. Erfolge schreibt sich die Homöopathie aber auch dann zu, wenn gegen die Regeln verstoßen wurde und nach den Regeln der Homöopathie die Behandlung eigentlich gar nicht hätte wirken können. Misserfolge liegen in der Verantwortung der Patienten, Erfolge in der Verantwortung der Homöopathen.

9. „Ganzheitlichkeit“ immunisiert ebenfalls gegen Misserfolg.
Copyright: Fotolia - Benjamin Goette
Misserfolge liegen in der Verantwortung der Patienten, da sie nicht alle Aspekte ihrer Situation mitgeteilt haben (was allerdings jedoch unmöglich ist).

 

 

 

 

 

10. „Zusammenarbeit“ mit der wissenschaftlichen Hochschulmedizin.
Wenn homöopathisch behandelte Patienten gezwungen wären, bis zum Schluss bei der Homöopathie zu bleiben, würde sich schnell herausstellen, wie wenig wirksam die Homöopathie ist. Nun ist die Vorgehensweise der „guten“ Homöopathen aber so, dass sie Patienten zur wissenschaftliche Hochschulmedizin zurücküberweisen, wenn sie merken, dass die Homöopathie erfolglos bleibt. Natürlich ist das gut für die Patienten. Es ist aber auch gut für die Homöopathie, denn wenn auch die wissenschaftliche Hochschulmedizin keine Möglichkeiten mehr hat (und das ist leider so: es gibt immer noch unheilbare Krankheiten), dann wird die letztendliche Erfolglosigkeit dem letzten Behandler – also der wissenschaftlichen Hochschulmedizin – „in die Schuhe geschoben“. Kein Wort davon, dass eine früher einsetzende korrekte medizinischen Therapie wahrscheinlich erfolgreich gewesen wäre und der Misserfolg von der Homöopathie zu verantworten ist. Man ist eben erfolgreicher, wenn man für Misserfolge die Verantwortung ablehnt – auch, wenn das ungereichtfertigt ist. Es merkt ja keiner…

11. Unterschied zwischen „Homöopathika“ und „Homöopathie“.
Die Globuli (lat. „Kügelchen“) bzw. die Tropfen wirken nicht, da sie keine Wirkstoffe enthalten. Homöopathie ist aber mehr als nur die Gabe von Globuli oder Tröpfchen. Der Homöopath nimmt sich viel Zeit für seine Patienten. Er hört gut zu. Homöopathen zeigen Empathie. Die „Droge Arzt“ trägt zum Erfolg der Homöopathie wesentlich bei. – Die Erfolge der „Droge Arzt“ werden auch von der wissenschaftlichen Hochschulmedizin anerkannt. Auch Ärzte wünschen sich mehr Zeit für ihre Patienten. Allerdings ist das im „normalen Medizinbetrieb“ (viele Patienten, wenig Ärzte) häufig nicht möglich.

 

Was müssen gute Studien können? Welche Fehler können in schlechten Studien auftreten?

1. Multizentrische Studien.
Diese Studien werden an verschiedenen Zentren gleichzeitig durchgeführt. Es sind verschiedene Untersucher beteiligt. Eventuell regionale Besonderheiten (z. B. andere Wasserhärte, andere Zusammensetzung der Mineralien im Wasser, andere Klimazonen), die Einfluss auf das Ergebnis haben könnten, werden ausgeglichen.

2. Prospektive Studien.
Es muss vorher festgelegt werden, welches Ziel eine Studie hat. Welche Hypothese soll bewiesen oder widerlegt werden? – Im Nachhinein aus vorhandenen Studien irgendwelche Effekte herauslesen zu wollen, ist falsch. Das entspricht dem Fehler des „texanischen Scharfschützen“: Er schießt auf einen Wand und malt anschließend konzentrische Kreise um das Einschussloch.

3. Intention to treat.
Es muss vorher ebenfalls festgelegt werden, welche Patienten mit welchen Krankheiten in die Studie aufgenommen werden. Es darf nicht sein, dass man Patienten, bei denen sich während der Studie die Unwirksamkeit der Homöopathie herausstellt, einfach nachträglich aus der Studie herausnimmt mit der fadenscheinigen Begründung, der Patient hätte von vornherein nicht in die Studie hineingenommen („eingeschlossen“) werden dürfen, weil er bestimmte Kriterien nicht erfüllt. Die Nichterfüllung von Kriterien („Ausschluss-Kriterien“) müssen vorher festgelegt werden und dürfen im Laufe der Studie nicht geändert werden. Andernfalls passiert folgendes: Man nimmt 100 Studienteilnehmer. Bei 95 Studienteilnehmern wirkt die Homöopathie nicht. Diese 95 nimmt man aus der Studie wieder heraus. Anschließend zeigt die Homöopathie bei 5 von 5 Teilnehmern einen Erfolg. So kommt man schnell auf 100 %. Diese 100 % sind aber nichts wert!

4. Randomisierte Studien.
Es müssen immer zwei Gruppen miteinander verglichen werden: Eine Gruppe, die das zu untersuchende Medikament enthält und eine Gruppe, die statt dessen ein Scheinmedikament ohne Wirkung bekommt. Die Gruppen dürfen sich nur in diesem einen Punkt unterscheiden: Medikament / kein Medikament. Es dürfen keine anderen systematischen Unterschiede auftreten, wie z. B. eine Gruppe mit alten, die andere mit jungen Menschen. Eine Gruppe männlich, die andere weiblich. Eine Gruppe nur Krebserkrankungen, die andere nur Erkältungen usw. Die Gruppen müssen in allen Punkten außer den zu testenden zufallsverteilt („randomisiert“) sein.

5. Placebokontrollierte Studien.
Wie bereits unter Punkt 2 beschrieben, müssen die Medikamente, die man auf Wirksamkeit testen will, immer mit einer Kontrollgruppe verglichen werden, die kein wirksames Medikament enthält, sondern nur ein Scheinmedikament („Placebo“). Nur Wirkungen, die über das Placebo-Niveau hinausgehen, sind echte Wirkungen.

6. Doppelte Verblindung.
Weder die Studienteilnehmer noch die Untersucher dürfen vorher wissen, wer das echte und wer das unwirksame Präparat erhält. Andernfalls könnten Fehlermöglichkeiten wie Wunschdenken oder selektive Wahrnehmung eine Rolle spielen (siehe oben). Nur durch die doppelte Verblindung können diese Fehler ausgeschlossen werden.

7. Irrtumswahrscheinlichkeit.
Fehlerlosigkeit ist in der Natur nicht zu erreichen. Es gibt kein „Nullrisiko“. Auch das Risiko, aus einer Studie einen Fehlschluss zu ziehen, kann nicht bei „0,00 %“ liegen. Die Irrtumswahrscheinlichkeit einer Studie kann man mit statistischen Methoden messen. Wenn sie bei 5 % (oder kleiner) liegt, dann gilt die Schlussfolgerung aus der Studie als richtig – obwohl sie in 5 % der Fälle falsch ist.

8. Zu kleine Gruppen.
Statistische Sicherheit setzt eine ausreichende Gruppengröße voraus. Zufallseffekte können sich in großen Gruppen nicht zeigen, in kleinen Gruppen schon. Die Irrtumswahrscheinlichkeit hängt auch mit der Gruppengröße zusammen.

9. Publication bias.
Studien müssen veröffentlicht werden, auch wenn sie Ergebnisse liefern, die die Studienleiter nicht wollen. Wenn Homöopathen tatsächlich 100 Studien von hoher Qualität erstellen könnten, dann müsste man damit rechnen, dass 95 % der Studien zum Ergebnis kommen, dass Homöopathie unwirksam ist. Aber 5 % kommen fälschlicherweise (siehe „Irrtumswahrscheinlichkeit“) zu dem Ergebnis, dass Homöopathie doch wirksam ist. Wenn man nur die 5 % der Studien mit dem erwünschten Ergebnis veröffentlicht und die 95 % der Studien mit dem unerwünschten Ergebnis einfach verschweigt, dann sieht es so aus, als wenn alle Studien die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen würden.

10. Meta-Studien.
Meta-Studien sind Studien, die mehrere andere Studien zusammenfassen. Dabei werten die Wissenschaftler auch die Güte der Einzelstudien aus. Gute Studien berücksichtigen die aufgeführten Voraussetzungen. Werden die Bedingungen nicht oder nur unzureichend erfüllt, wird die Studienqualität zunehmend schlechter. Bisher hat sich gezeigt: Je besser die Studienqualität, desto schlechter werden die Ergebnisse der Homöopathie. Bei den besten Studien (und Meta-Studien) liegt die Erfolgsquote der Homöopathie lediglich auf dem Placebo-Niveau. Das Placebo-Niveau kann nicht unterboten werden.

 

Meine persönliche Meinung:
Warum sollten wir die Homöopathie verlassen?

1. Gefahren für die Gesundheit
In der Homöopathie liegen Gefahren für die Gesundheit durch Unterlassen. Wer bei ernsten Erkrankungen von wirksamer medizinischer Therapie abgehalten wird, riskiert gesundheitliche Schäden.

2. Verlust der naturwissenschaftlichen Kompetenz.
Die Naturwissenschaften sind eindeutig in ihrem Urteil: Homöopathie kann aus naturwissenschaftlichen Gründen nicht wirken. Naturwissenschaften werden an Schulen und Hochschulen gelehrt („MINT-Fächer“). Wir sollten nicht in den MINT-Fächern Prüfungswissen abfragen und zugleich Behandlungen durchführen, die dieses Prüfungswissen missachten und verachten.

3. Verlust der erkenntnistheoretischen, philosophischen Kompetenz.
Die philosophische Frage „Wie können wir aus der Natur Wissen bekommen?“ ist eine wichtige Frage. Es gibt Regeln, die dafür sorgen, dass wir uns nicht ständig irren. Regeln, die uns vor Fehlschlüssen und Fehlentscheidungen schützen. Wenn wir Homöopathie anerkennen, dann missachten wir die erkenntnistheoretischen Regeln – und gewöhnen uns zudem einen falschen Umgang mit wichtigen Regeln an.

4. Beliebigkeit.
Copyright: Wikimedia Commons - PhprevetDie Naturgesetze werden nicht von Menschen gemacht. Die Naturgesetze sind vorhanden; wir Menschen können sie lediglich erkennen (oder auch nicht erkennen). Wir können sie nicht ändern. Wer Homöopathie akzeptiert, der akzeptiert auch, dass sich Naturgesetze beliebig verändern und an eigene Bedürfnisse anpassen lassen. Wer Homöopathie akzeptiert, hat keine Argumente mehr, wenn es um die Existenzfrage von Einhörnern, Trolle, Feen, Elfen und anderen Märchenwesen geht. Der Beliebigkeits-Aussage „Es könnte doch denkbar sein, dass sie trotzdem existieren“ können Homöopathen nichts entgegensetzen.

5. Verlust der Entscheidungsfreiheit.
Wer an Homöopathie glaubt, der ist allen Einflüsterungen und Manipulationen hilflos ausgesetzt. Er hat keine gültigen Entscheidungskriterien, anhand derer er selbst entscheiden kann, ob etwas sinnvoll ist oder möglich oder unsinnig oder unmöglich.

6. Es gibt keine friedliche Koexistenz.
Aussagen wie „Man kann doch beides tun – Medizin und Homöopathie“ oder „Medizin und Homöopathie können doch friedlich nebeneinander existieren“ zeugen von Unkenntnis und Unverständnis der Homöopathie. Man kann nicht „Sinn“ mit „Unsinn“ kombinieren und hoffen, dass es besser wird. Die beste „Mischung“ aus Sinn und Unsinn ist 100 % Sinn und 0 % Unsinn! Alles andere ist eine Verwässerung und Verschlechterung.

7. Falsche Gesundheitserziehung.
Kinder, die bei allen „Wehwehchen“ Globuli bekommen, werden zu einer falschen Wahrnehmung von Körper, Gesundheit und Krankheit erzogen. Einerseits wird die Erfahrung „Globuli sind harmlos“ bereits im Kindesalter unbewusst und unkritisch auf alle Medikamente übertragen. Andererseits wird die Erfahrung, dass Globuli bei harmlosen Erkrankungen scheinbar wirksam sind, ebenso unkritisch auch auf nicht harmlose Krankheiten übertragen: „Wenn Globuli bei einer Erkältung helfen, dann helfen sie auch bei einer Tumorerkrankung“. Desweiteren fördert der unkritische Einsatz von Homöopathie bei jedweder Befindlichkeitsstörung ein unangemessenes Anspruchsdenken: „Es kann doch nicht sein, dass es Krankheiten gibt, die unheilbar sind. Der Fehler kann nicht in der Natur liegen – es gibt ja Homöopathie – er muss beim Arzt liegen.“

Wenn man sich in der falschen Sicherheit wiegt, alle Krankheiten seien leicht mit harmlosen Kügelchen zu behandeln, dann fördert das einen leichtfertigenUmgang mit Gesundheitsrisiken. Fehleinschätzungen von gesundheitlichen Risiken werden fälschlich als „leicht korrigierbar“ und damit harmlos empfunden. Wir dürfen unsere Kinder nicht zu „Globuli-Junkies“ erziehen; es ist gefährlich.

 

Was sollte getan werden?

1. Patienten
Die Patienten sollten sich über die Homöopathie informieren. Sie sollten die naturwissenschaftliche Basis unseres Wissens nicht leichtfertig durch esoterische Glaubenssätze verwässern oder gar ersetzen.

2. Krankenkassen
Krankenkassen sollten Homöopathie und Homöopathika nicht bezahlen. Andernfalls handelt es sich um Veruntreuung von Versichertengeldern.

3. Ärztekammern
Die Ärztekammern sollten weder Weiterbildungen noch Fortbildungen für Homöopathie anbieten oder mit Fortbildungspunkten „belohnen“. Die Prüfungskommissionen sollten sämtliche Prüfungsfragen zum Thema „Homöopathie“ aus den medizinischen Staatsexamina verbannen.

4. Universitäten
Die Medizinischen Fakultäten der Universitäten sollten keine Homöopathie-Kurse anbieten. Einzige Ausnahme: Historische Betrachtungen zur Homöopathie im Fach „Geschichte der Medizin“.

5. Politik
Die Politik sollte den Binnenkonsens wieder aufheben. Ja richtig gelesen: Es gibt einen „Binnenkonsens“. Von allen Medikamenten verlangen die Behörden Wirksamkeitsnachweise. Nur nicht von Medikamenten der „besonderen Therapierichtungen“, zu denen Homöopathika zählen. Bei diesen „Medikamenten“ reicht es, wenn sich die Homöopathen gegenseitig die Wirksamkeit bescheinigen – einfach so. Das wäre vergleichbar einer kleinen Gruppe von „Teppichpiloten“, die sich gegenseitig bescheinigen, dass man auf fliegenden Teppichen fliegen kann…

 

Weiterführende Informationen erhalten Sie auch hier:

Homöopathie ist Irrtum
Die Homöopathie-Lüge
In Sachen Homöopathie – Eine Beweisaufnahme
Blog zu Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie
Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft
Blog zu Homöopathie neu gedacht
GWUP – Blog Homöopathie
INH Informationsnetzwerk Homöopathie
INH Homöopedia (quellenbasierte und umfangreiche Artikel)